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SEO Sunday: Serien paginieren mit rel next/prev

Das Video-Workaround von Google’s Maile Ohye über paginated Content hat mich auf die Idee gebracht, das ganze einmal selbst auszuprobieren und die von Google empfohlende Verwendung von rel=next / rel=prev Metatags genauer unter die Lupe zu nehmen. Wer sich jetzt fragt, was unter paginated Content zu verstehen ist, der stellt sich ganz einfach einen längeren Artikel vor, der in mehreren Teilen veröffentlicht werden soll.

Selbstverständlich soll Google auf irgend eine Art und Weise mitgeteilt werden, das jeder einzelne Artikel der Teil einer gesamten Serie ist und alle Artikel der Serie dementsprechend in einer bestimmten Reihenfolgen vorliegen. Da aber jeder Artikel auf einer eigenständigen URL existiert, muss die Paginierung optimaler Weise händisch realisiert werden. Wie das funktioniert und welche verschiedenen Optionen sich hierzu anbieten, erläutere ich im Folgenden:

 

Theorie: Was für paginated Content gibt es und wie behandele ich Ihn

Liegt paginierter Content vor, der in Folge dessen auf mehreren URLs existiert, zieht das diverse Nachteile mit sich. Zum einen erhält nicht der gesamte Inhalt die Linkpower, sondern in den meisten Fällen nur der erste Teil meiner Serie, oder eben jener, der am häufigsten verlinkt wurde. Wird beispielsweise Teil 3 meiner 6-Teiligen Serie am häufigsten verlinkt, so ist das organische Ranking für diesen mittleren Teil aller vorraussicht nach am höchsten. In aller Regel sollte jedoch Teil 1, also der Beginn der Serie das beste Ranking besitzen – zumindest sofern es nicht anders erwünscht ist. Welche Möglichkeiten gibt es also, dies zu verhindern?

1. Paginierter Content mit View-All Page und Canonicals

Eine Möglichkeit, Google darüber zu informieren, dass mehrere Entitäten zu einer Serie gehören, ist das Anlegen einer zusätzlichen View-All Page. Letztere beinhaltet alle Teile der Serie als Gesamt-Fassung des Artikels. Wer jetzt schreit “Halt – Duplicate Content” hat ganz recht: Das zusammenkopieren mehrerer Einzelteile in eine Gesamtfassung signalisiert Google theroetisch doppelten Inhalt. Da es sich jedoch um eine Zusammenfassung aller Teile einer Serie handelt, behandelt Google das Vorhandensein einer View-All Page offensichtlich als konsolidierten Inhalt, was auch das bündeln der OffPage Signale auf eben jene mit sich zieht. Das bedeutet eine View-All Page, sofern vorhanden, wird von Google präferiert behandelt und taucht priorisiert in der organischen Suche auf. Letztere Maßnahme wird durch die in Option 2 beschriebene Vorgehensweise via rel=next/prev jedoch überschrieben.

Wer Googles Algorithmus nicht traut, kann als Webmaster offensiv nachhelfen und jeder “Component-Page” ein Canonical-Tag auf die View-All Page spendieren. In Folge dessen sprechen wir bei der View-All Page also von der Canonical-URL, die sämtliche Teile einer Serie kanonisiert und als “Original” behandelt wird.

2. Paginierter Content ohne View-All Page, mit Next/Prev

Alternativ dazu lassen sich die Standard-HTML Metatags rel=next und rel=prev verwenden, die gleichzeitig als Standardoption für die Methode ohne View-All Page eingesetzt werden sollten. Das bedeutet, jede URL als Teil der Serie erhält ein rel=next Metatag auf den nächsten Teil der Serie und ein rel=prev Metatag auf den vorherigen Teil der Serie. Der erste und letzte Teil der Serie erhalten selbstverständlich nur eines der beiden Tags. Das Metatag wird dabei jeweils in den <head> der entsprechenden HTML Seite wie folgt geschrieben:

<link rel=”next” href=”http://www.example.com/article?story=abc&page=2″ />

Nicht als Richtlinie für Google zu verstehen, jedoch als starker Hinweis wird die gesamte Serie somit als zusammenhängend behandelt und zumeist Teil 1 (als relevantester) in den organischen Suchergebnissen angezeigt, auch wenn eine View-All Page zusätzlich vorliegen sollte. Der Vorteil dieser Methode soll sein, dass Google den gesamten Content von Teil 1-x einer Serie crawlt, jedoch nur den relevantesten Teil der Serie in den SERPs ausliefert.

 

Praxis: Rel=Next/Prev ausprobiert

Natürlich hat mich das ganze jetzt dermaßen begeistert, dass ich einen Praxistest nicht ausgelassen hab 😉 Und zufällig war ich gerade an einer Serie zum Thema “iPad Apps für Blogger und Webmaster” auf meinem privaten Blog am schreiben. Also: hingesetzt und ein bißchen paginiert!

Ich habe mich bei meiner 2Teiligen Artikel-Serie für Option 2 ohne View-All Page entschieden. Das bedeutet Teil 1 meiner Serie erhält einen rel=next Verweis im Header auf Teil 2 und andersherum:

<link rel=”next” href=”http://jasper-thibaut.de/ipad-apps-fur-blogger-und-webmaster-2″/>

<link rel=”prev” href=”http://jasper-thibaut.de/ipad-apps-fuer-blogger-und-webmaster” />

Um das zu realisieren musste ich den Header eines einzelnen Posts separat abändern, wozu ich das WordPress Plugin Add Your Own Headers verwendet habe. Um Google nicht zu verwirren, musste ich gleichzeitig den Automatismus von WordPress verhindern, jedem Artikel ein rel=next bzw. prev auf den nachfolgenden bzw. vorherigen Artikel anzuhängen. Das wiederrum habe ich mittels diesem kurzen Tutorial von Michael David realisiert. Ob und wenn ja, welche Nachteile das mit sich zieht, wird sich noch zeigen 😉

 

Ergebnis:

Wie Google meine kleine Artikel-Serie behandelt hat, ist relativ merkwürdig: 3 Tage nach der Umsetzung der Paginierung und Publizierung des 2. Artikels ranken kurze Zeit beide Artikel direkt hintereinander:

Wenigstens rankt Teil 1 vor Teil 2, was jedoch nicht bedeutet, dass das Ranking beider Artikel in den Top 10 zu erwarten gewesen wäre. 1 Tag später, rankt nur noch der erste Artikel für das identische Keyword [ipad apps webmaster], was zumindest einmal dafür spricht, dass die Paginierung dafür gesorgt hat, dass der Einstiegspunkt der Serie priorisiert wird. Leider rankt Artikel 2 zu dem Zeitpunkt überhaupt nicht mehr, geschweigedenn Artikel 1 für Keywords, die im Content von Artikel 2 vorkommen. Ferner noch: Google hat sogar Artikel 2 wieder aus dem Index geschmissen.

Einige Stunden später rankt dann wieder Teil 2 nach Teil 1, was die Verwirrung komplettiert. Bis kurz vor Veröffentlichung dieses Posts hat sich an dem Zustand (siehe Screenshot) nichts mehr verändert.

 

Fazit:

Ob Google Teil 2 meiner Serie zwischenzeitlich deindexiert hat, da die Paginierung via rel=prev auf Teil 1 verweist lässt sich nicht eindeutig sagen. Konsequenter Weise sollte in dem Fall jedoch dann auch Artikel 1 für relevante Keywords der gesamten Serie ranken, was auch über den extremen Long-Tail nicht der Fall war. Darüber hinaus ist Artikel 2 jedoch gerade mal 3 Tage alt. Ob Google den Inhalt für das organische Ranking also noch konsolidiert bleibt abzuwarten.

Unterm Strich sollte jedoch abgewogen werden, wann rel=next/prev eingesetzt wird. Macht es Sinn jeden Teil einer Serie separat anzusprechen und differenziert ranken zu lassen (etwa bei separaten Artikeln einer Serie), ist von rel=next/prev vorraussichtlich abzuraten. Soll vordergründig nur ein Einstiegspunkt in eine Serie (Teil 1 / View-All Page) im Ranking erscheinen und auch sämtliche Linkpower erhalten (etwa bei Produkt-Kategorie Seiten in Online-Shops), ist die Verwendung von rel=next/prev empfehlenswert.

Ein schöner Nebeneffekt ist ebenfalls aufgetreten: Reader-Plugins, wie das von Safari oder Readability haben beide Artikel als Serie erkannt und automatisch verknüpft.

Jasper Thibaut ist SEO Manager bei rankingCHECK und mobile SEO Spezialist. Beruflich wie auch privat setzt er sich verstärkt mit dem mobilen Web und Disziplinen des mobile Marketings auseinander. jasper-thibaut.de

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8 Kommentare

Felix Buller schrieb am 20. Mai, 2012 @ 11:34

WENN ES UM EINE ARTIKELSERIE GEHT HALTE ICH INDOVIDUELLE SEITENTITEL FUR DIR BESTE LOSUNG, DA HIER EXTRA TRAFFIC GEWONNEN WIRD UND WEITERE EINSTIEGSPUNKTE AUFGEBAUT WERDEN.
BEI EINER PAGINIERUNG IM SHOP ODER AUF KATEGORIESEITEN VON ZB WORDPRESS SIEHT DAS GANZE AMDERS AUS. HIER KONNTE MAN MAL TESTEN OB NOINDEX, FOLLOW ODER DEINE LOSUNG DIE BESTE IST. HIER IST ZWAR MEINE O.G. LOSUNG EBENFALLS MOGLICH, JEDOCH NUR DURCH EINEN FITTEN PROGRAMMIERER.

GRUSSE,
FELIX

me schrieb am 21. Mai, 2012 @ 10:05

Das klingt interesant aber es ist nicht so häufig das jemand solche “Mehrseiten” Artikel schreibt. Was passiert mit den Listen in Webshops oder Artikellisten in WordPress Blogs? Muss man die auch mit rel=”prev”/”next” erweitern oder versteht der G das anderes?

Jasper Thibaut schrieb am 21. Mai, 2012 @ 12:19

@Felix
Genau, das seh ich ähnlich. Daher auch die Aussage im Fazit “[…] Macht es Sinn jeden Teil einer Serie separat anzusprechen und differenziert ranken zu lassen (etwa bei separaten Artikeln einer Serie), ist von rel=next/prev vorraussichtlich abzuraten. […] ”

@me
Google selbst rät zur Verwendung von rel=next/prev für Kategorseiten in Webshops. Ich würde das jetzt nicht als “muss” bezeichnen, aber falsch machen kannst du damit sicher auch nichts.

Maya schrieb am 27. Mai, 2012 @ 12:05

Super super Artikel!! Danke für deine Erfahrungen! Wobei mehrteilige Artikel wohl doch eher die Ausnahme sein werden…
@Jasper: Hast du konkrete Erfahrungen bzgl. der Wirkung von next/prev auf Webshops oder war das eine erste Vermutung?

Jörg schrieb am 31. Mai, 2012 @ 11:15

Es gibt noch weitere Möglichkeiten, die Paginierung in den Griff zu bekommen. Was denkst du bspw. über ein noindex, follow auf allen Folgeseiten?

Sam schrieb am 16. November, 2012 @ 15:53

Hallo Japser, sehr interessanter Artikel! Ich habe natürlich gleich dein Keyword in Google getestet und tatsächlich: Teil2 rankt direkt unter Teil1!
Werde das jetzt demnächst auch bei mir testen, ich hoffe mit ähnlichen Erfolg ;).

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