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SEO Sunday – Mobile Suche unter der Lupe

Nachdem Google Ende letzten Jahres offiziell angekündigt hat, den mobilen Index durch einen eigenen Googlebot-Mobile aufzubauen, der zukünftig auch reinen Smartphone Content crawlt und indexiert, ist eine kurze Welle der Euphorie in der doch recht überschaubaren mobile SEO-Szene ausgebrochen. Seitdem gilt es mit einem Haupt-Augenmerk zu beobachten, wie sich die mobile Suche verhält und entwickelt. Ich selbst habe prognostiziert, dass sich eine Abweichung der mobilen Suchergebnisse aller Voraussicht nach nicht von heute auf morgen einstellen wird und es „erst mal abzuwarten bleibt, ob und wie es dazu wirklich kommt“. Fakt ist jedoch, dass die Möglichkeit jetzt gegeben ist, mobilen Content in Bezug auf Suchmaschinen differenziert zu behandeln.

Zugegeben, um ein entsprechendes Beispiel für diesen Artikel aufzuspüren habe ich mir sprichwörtlich einen Wolf gesucht. Auch der übliche Verdächtige [schuhe] liefert noch keine 100% zuverlässigen mobilen Ergebnisse aus. Alleine das zeigt schon recht deutlich, dass das folgende Fallbeispiel derzeit kaum repräsentativ ist und die mobilen Google Suchergebnisse noch immer nahezu identisch der Stationären sind. Das ist auch nicht weiter verwunderlich, kann kaum davon ausgegangen werden, dass der mobile Index von Grund auf neu aufgebaut wird. Vielmehr handelt es sich natürlich um eine Konsolidierung beider Indizes innerhalb der Suchergebnisse. Nichts desto trotz zeigt das Beispiel, an welchen Stellschrauben Google in der mobilen SERP zukünftig drehen könnte, was wiederrum Rückschlüsse auf Potentiale zulässt:

Mobile Trends

Spätestens seit der Suchradar Ausgabe vom Oktober 2011 wissen wir, dass mindestens lokal ausgerichtete Keywords (-Kombinationen) mobil besonders häufig gesucht werden. Google Insights for Search stellt derzeit leider (noch) keine Möglichkeit zur Verfügung, den Filter rein auf die mobile Suche zu beschränken. Über diverse Studien und Statistiken stehen mittlerweile aber mehrere relativ eindeutige Aussagen über mobile Suchtrends zu Verfügung, die sich allesamt in einigen Punkt einig sind: Mobil wird sehr viel gesucht (77% aller besuchten Websites über Smartphones), die mobile Suche orientiert sich einem raschen Informationsbezug und mobile Nutzer konvertieren sehr schnell und bereitwillig.

Man könnte diese Statistiken endlos fortführen, eine sehr sehenswerte Anlaufstelle bietet sich für Interessierte primär aber hier an: thinkmobile with Google – The Mobile Movement. Aktuell steht auch eine neue Google-Studie zu den Post Holiday Learnings for 2012 bereit, die sich vor allem auf den Effekt von Smartphones auf das Online- & Offline Shopping-Verhalten bezieht.

SERP

Bezogen auf den Anteil des mobilen Suchtrends von 31% auf den Travel-Sektor, bezieht sich mein kleines Fallbeispiel auf das Keyword [reise buchen]. Mit einem mobilen Suchvolumen von 260 / Monat im Exact-Match und 1.000 im Broad-Match gehört die Kombination zwar nicht zu den absoluten Abräumern, spiegelt aber ein durchaus nachvollziehbares Szenario wieder:

 

Zunächst einmal fällt auf, dass die Anzahl der Suchergebnisse in der mobilen Suche bei identischer Suchphrase und Konfiguration (nicht eingeloggt, kein Webprotokoll) viel geringer ausfällt (3.860.000 : 61.900.000). Inwieweit diese Tatsache einen Rückschluss auf den mobilen Index geben kann, bleibt noch spekulativ. Aber auch wenn die Zahl erfahrungsgemäß immer sehr schwankt,  wäre entsprechend dieser riesen Gap bereits ein Ausschluss bestimmter Webseiten aus dem mobilen Index denkbar. In der Position der einzelnen Suchtreffer selbst variiert die mobile Suche dagegen nur marginal. Zwar sind die Top 10 geringfügig anders positioniert, jeder einzelne Wettbewerber befindet sich jedoch mobil wie auch stationär innerhalb dieser. Auf ein Bevorzugen mobiler Varianten kann bislang also kein Rückschluss gezogen werden. Das für uns wichtige Ergebnis auf dem ersten Rankingplatz liegt mobil wie auch stationär bei Expedia.de.

Besonders interessant ist auch, dass die gleiche Suchabfrage nur einen Tag später wieder 1:1 der stationären entsprach. Glücklicherweise habe ich den Screenshot vorher angefertigt, sichtbar wird jedoch, dass Google hier scheinbar noch viel experimentiert.

Snippet

Interessanter für unser Beispiel ist das eigentliche Snippet. Während Google bei der Reihenfolge in den SERPs noch sehr verhalten und nur vereinzelt experimentiert, sind die einzelnen Snippets mitunter schon sehr mobil angepasst ausgelegt:

Man sieht, dass das Suchergebnis auch in den mobilen SERPs aus den vier Teilen Title, URL, Description (also dem eigentlichen Snippet) und ggf. Sitelinks besteht. Am auffälligsten ist zunächst die Darstellung der URL. Wie es Google angekündigt hat, wird die Weiterleitung jetzt direkt innerhalb der Suchergebnisse angezeigt, womit der Nutzer genau weiß, dass es sich um eine mobile Website handelt. Das impliziert auch, dass davon ausgegangen werden kann, dass Google die mobile Weiterleitung hier selbst umgeht und nicht mehr auf Kosten der externen Serverleistung umgesetzt wird. Laut Google selbst soll hierdurch eine Zeitersparnis von 0,5 – 1 Sekunde erreicht werden. In einer mobilen Situation wäre das in der Tat sehr viel! Wünschenswert wäre eine Anzeige für ein mobiles Suchergebnis, wenn sich die URL selbst nicht ändert. In früheren WAP Zeiten wurde hier beispielsweise das kleine Handy-Symbol eingeblendet. So bleibt derzeit als einziger Indikator nur die Struktur der URL selbst.

Ein etwas detaillierterer Blick in den Code sowie ein wenig Recherche offenbaren im Übrigen einen Apache Mobile redirect via mod_rewrite Modul, welcher auf einer Abfrage mehrerer User Agents basiert. So wird auch offensichtlich, dass die Webseite den korrekten Googlebot mit einbezieht, so wie es Google selbst empfiehlt:

RewriteCond %{HTTP_USER_AGENT} Googlebot-Mobile [OR]
RewriteCond %{HTTP_USER_AGENT} iPhone

Das Snippet selbst differiert in dem mobilen Suchergebnis maßgeblich gegenüber der stationären Variante. Während sich die Desktop-Variante – wie üblich – auf die komplette meta Description bezieht, generiert das mobile Snippet nur einen Textausschnitt, der den kompletten ersten Satzt abschneidet. Ein Blick in den Quelltext der mobilen Seite offeriert jedoch die identische meta Description. Was das für die Optimierung der Klickrate bedeutet, ist offensichtlich:

VS.

Der Title sowie die Sitelinks werden einfach abgeschnitten und können somit nicht mehr alle zur Verfügung stehenden Zeichen darstellen. Im vorliegenden Fall ist die Brand also gar nicht mehr im Title sichtbar. Noch weiter abweichende Effekte sieht man übrigens auf zusätzlichen Geräteklassen, wie Tablet Computern oder anderen Hybridformen.

Fazit

Ich hätte die Überschrift dieses Artikels gerne mit den Worten “die mobilen SERPs sind da” betitelt. Dass dies nicht der Fall ist und wir uns noch immer in einem sehr begrenzten Feld wirklich differierender Suchergebnisse befinden, zeigen die vorliegenden Ausführungen. Mit anderen Worten also: wie sie sehen, sehen sie nichts 😉 Ganz so ist es zwar nicht, dennoch wird deutlich, dass Google noch relativ viel zu experimentieren scheint, was die mobilen SERPs angeht. Auffällig sind vor allem Unterschiede im Snippet + Title Tag und der Darstellung der URL. Aber auch hier sind noch keine zuverlässigen Anpassungen garantiert, was die diversen Stichproben gezeigt haben. Bis sich wirklich maßgeblich abweichende Ranking Positionen ergeben (falls überhaupt), dürfte noch einige Zeit vergehen – was aber nicht bedeutet, dass die Optimierung auf den mobilen Index nicht schon jetzt Sinn macht.

.. in einem halben Jahr wiederhole ich das Experiment noch einmal und werde ggf. neue Schlüsse ziehen. Interessant sollte dann auch die Untersuchung eines weniger umkämpften Wettbewerbsumfeldes sein, in dem die Top 10 noch nicht derart durch große Brands gestärkt ist, so dass sich leichter Differenzen ergeben könnten. Derzeit finden sich ironischerweise aber genau in dem Umfeld natürlich ehr selten mobile Webseiten.

 

Jasper Thibaut ist SEO Manager bei rankingCHECK und mobile SEO Spezialist. Beruflich wie auch privat setzt er sich verstärkt mit dem mobilen Web und Disziplinen des mobile Marketings auseinander. jasper-thibaut.de

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5 Kommentare

Wolfgang schrieb am 19. Februar, 2012 @ 15:59

mmn ist die sinnhaftigkeit von mobilem seo extrem branchenabhängig, jedoch in zukunft sicher ein fixer bestandteil der suchmaschinenoptimierung

Marke schrieb am 2. März, 2012 @ 17:41

Für mich macht es bisher absolut keinen Sinn auf die Mobile Suche Rücksicht zu nehmen oder gar Zeit zu investieren. Nach ein paar Experimenten war schnell wieder Schluss damit. Um so schöner jetzt hier dies zu lesen. Ich denke aber das es sehr Branchenabhängig ist.

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