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SEO Sunday: Das semantische Web

In letzter Zeit bin ich immer mal wieder über die Begriffe „Web 2.0“ und „Web 3.0“ gestolpert. Das klingt kryptisch, aber was ist damit eigentlich gemeint? Das Web 2.0 ist das Internet, wie wir es heute kennen: verschiedene html-Dokumente, die untereinander mit Hyperlinks verbunden sind.

Das Web 3.0 ist dagegen das semantische Web. Es bedeutet, dass nicht mehr html-Dokumente, sondern einzelne Daten untereinander verknüpft sind. Durch die Verknüpfung der Daten werden Zusammenhänge und Verbindungen deutlich. Ein Beispiel für ein semantisches Markup:

Dresden<Stadt> liegt an der Elbe<Fluss>. Paul<Vorname> Schuster<Familienname> wurde 1950<Geburtsjahr> in Dresden<Geburtsort> geboren.

Das semantische Web ist also eine Erweiterung des Web 2.0. Informationen werden auf der Ebene ihrer Bedeutung miteinander verknüpft. Wären alle Informationen wie im obigen Beispiel markiert, dann wäre die Aufforderung: „Zeige mir alle Personen, die im Jahr 1950 in Dresden geboren wurden“ ganz leicht zu beantworten.

Ziel und Nutzen des semantischen Web ist nicht nur ein schnellerer Zugang zu Informationen, sondern auch ein besseres Verständnis zwischen Mensch und Maschine.

Wo sehen wir das semantische Web heute schon?

Das semantische Web ist gar nicht so weit entfernt, wie Schlagworte wie „besseres Verständnis zwischen Mensch und Maschine“ dies vielleicht vermuten lassen. Im Gegenteil, einige Ausprägungen des semantischen Web bzw. der semantischen Suche sehen wir bei Google schon seit einigen Jahren.

Rich Snippets (seit 2009)

Die Rich Snippets begegnen uns seit 2009 in den SERPs. Im Gegensatz zu den üblichen Snippets sind diese mit weiteren Informationen angereichert: Sternebewertungen, Informationen zum Autor (inkl. Bild), Preisen, Verfügbarkeit usw.

Rich Snippet Autoreninformationen von Rike GüntherAutorenbild, Information über Reichweite (in 204 Google+ Kreisen)

Rich Snippet Sternenbewertung und PreisangabeSternebewertung und Preis

Bild, Sternebewertung, Informationen zu Kochzeit und Kalorien

Ganz im Sinne des semantischen Web lassen sich diese Informationen dann nach verschiedenen Kriterien filtern oder sortieren. So kann man z.B. in der Produktsuche nach Preisen, Kategorien oder Marken filtern. Ähnlich lassen sich in der Rezeptsuche (bislang leider nur auf dem US-Markt) die Rezepte z.B. nach Zubereitungszeit, Kalorien oder bestimmten Zutaten filtern.

Knowledge Graph (seit 2012)

Eine neuere Erscheinung in den SERPs ist der sogenannte Knowledge Graph, den es seit Mai diesen Jahres gibt. Dabei werden bei bestimmten Suchanfragen zusätzliche Informationen als Box auf der rechten Seite direkt neben den Suchergebnissen bereitgestellt. So z.B. bei der Suchanfrage „leonardo da vinci“.

Im oberen Teil gibt es allgemeine Informationen (die von Wikipedia stammen und auch auf die jeweilige Wikipediaseite verlinken) und Daten zur Person.

Im unteren Teil, und aus semantischer Sicht besonders relevant, werden verwandte Suchbegriffe angezeigt. Unter „Artwork“ werden Werke Da Vincis dargestellt, die relevantesten (die Mona Lisa und das Letzte Abendmahl sind sicherlich seine berühmtesten und daher auch am meisten gesuchten Werke) stehen dabei oben.

Unter „People also search for“ werden weitere Maler genannt. Hier allerdings muss man kritisch anmerken, dass z.B. Pablo Picasso zwar auch ein Maler war und vermutlich auch ähnlich bekannt ist wie Da Vinci, jedoch einer gänzlich anderen Epoche und Stilrichtung zuzuordnen ist.

Spannend am Knowledge Graph ist, dass hier Informationen in Bezug zueinander gesetzt werden: der Maler zu seinen Werken oder zu anderen Malern. Der Knowledge Graph ist bislang nur auf google.com verfügbar, wird aber sicherlich demnächst auch nach Deutschland kommen.

Wer noch mehr über den Knowledge Graph und dessen Hintergründe wissen möchte, dem sei dieses Video der Google-Produktentwickler empfohlen:

OneBox (seit 2006)

Ebenfalls bereits seit längerer Zeit gibt es die Google OneBox. Diese wird oberhalb der Suchergebnisse eingeblendet, dort wo üblicherweise die oberen AdWords-Anzeigen platziert sind. OneBoxen werden meist für solche Suchanfragen eingeblendet, auf die es eine kurze, knappe und eindeutige Antwort gibt. Beispiele: Uhrzeit, Wetter, Definitionen, Übersetzungen ins Englische, Umrechnungskurse, Flugverbindungen etc.

Das Besondere hier: Im Allgemeinen findet der User die gesuchte Information direkt bei Google und muss die Suchmaschine gar nicht mehr verlassen.

Semantisches Web für SEOs

Das semantische Web zeigt sich bei Google auf vielfältige Art und Weise. Aber welche Funktionen des semantischen Web sind denn nun für SEO besonders relevant?

Rich Snippets ziehen die Aufmerksamkeit auf sich und sorgen dadurch für eine deutlich bessere Klickrate. Gleichzeitig führen Rich Snippets auch zu längeren Aufenthaltszeiten und geringeren Absprungraten, da der Suchende schon ein genaueres Bild davon hat, welche Informationen ihn auf der Seite erwarten.

All diese Faktoren können dann sogar zu einer Verbesserung im Ranking führen. Rich Snippets sollten daher genutzt werden, wo dies möglich und sinnvoll ist. Dazu gehören insbesondere folgende Typen von Seiten:

  • Events und Veranstaltungen
  • Produkte und Angebote
  • Bewertungen
  • Geschäfte, Restaurants und Organisationen
  • Filme, Bücher und Rezepte

Dazu sollte das universell anerkannte Microdata-Markup gemäß schema.org verwendet werden. Um zu überprüfen, ob das Markup korrekt implementiert wurde, kann das Rich Snippet Testing Tool verwendet werden.

Eine weitere spannende Möglichkeit für SEOs ist sicherlich die, Wikipedia-Links von solchen Seiten zu ergattern, die via Knowledge Graph direkt von Google aus verlinkt sind. In unserem Leonarda Da Vinci-Beispiel wäre dies also ein Link von der Seite http://en.wikipedia.org/wiki/Leonardo_da_Vinci. Die entsprechende Wikipedia-Seite scheint ein besonderes Maß an Trust bei Google genießen, sonst wäre sie nicht an so prominenter Stelle im Knowledge Graph verlinkt.

Völlig klar, dass ein Link von dieser Seite auch ein besonderes Maß an Power, Trust und Traffic mitbringen würde! Bekanntermaßen ist es nicht leicht, Links bei Wikipedia zu platzieren – mit dem richtigen Content und tatsächlichem Mehrwert kann es aber gelingen.

Und schließlich ist es auch sinnvoll, auf via Knowledge Graph verlinkte Suchanfragen zu optimieren. In unserem Beispiel könnte dies z.B. das Keyword „the battle of anghiari leonardo da vinci“ sein, genau diese Anfrage ist nämlich entsprechend verlinkt.

Laut AdWords Keywordtool hat dieses Keyword in den USA ein exaktes monatliches Suchvolumen von 36 und bei einer herkömmlichen Keywordrecherche würde sich dieses Keyword vermutlich nicht für die Optimierung qualifizieren. Berücksichtigt man jedoch den Traffic, der via Knowledge Graph über „Leonardo Da Vinci“ kommen könnte, dann sieht die Sache schon ganz anders aus und eine Optimierung auf diesen Longtail-Begriff lohnt sich dann plötzlich.

Risiken des semantischen Web

Die Entwicklung hin zu einem semantischen Web und der semantischen Suche bei Google birgt jedoch auch Risiken. Schon jetzt ist es bei einigen Suchanfragen der Fall, dass der User Google gar nicht mehr verlassen muss, um die gesuchte Information zu finden. Gleichzeitig benutzt Google im Netz frei zugängliche Informationen, um eigene Produkte (wie z.B. den Knowledge Graph) zu entwickeln.

Möglicherweise wird diese Entwicklung irgendwann dazu führen, dass es bei solchen Seiten, die heute Antworten auf häufig bei Google gesuchte Fragen liefern, zu Traffic-Einbrüchen kommt. In diesem Szenario wären in erster Linie solche Seiten betroffen, deren Inhalt sich in einem Satz (oder in einer OneBox) zusammenfassen lässt.

Bislang sind Knowledge Graph und OneBox jedoch nur eine Ergänzung, die die bekannten SERPs nicht verdrängen. Und bis aus Google eine semantische Suchmaschine geworden ist, werden laut Amit Singhal, Chef der Google-Suche, noch Jahre vergehen.

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12 Kommentare

SEOnaut schrieb am 17. September, 2012 @ 5:47

Zwischen der Semantik aus Wortbedeutungen und der semantischen Informationsauswerrtung liegen ja Welten. Das ist wirklich nach meiner Meinung totale Zukunftsmusik. Mit einen Bedeutungindex als Filter arbeitet Google ja schon lange, dass ist aber keine Sematik an sich. Aber toller Post

olaf schrieb am 17. September, 2012 @ 11:38

guter Artikel, allerdings ist die Erklärung des begriffs web 2.0 nicht richtig. Das Web 2.0 bezeichnet, das Mitmach-Netz bei dem der Konsument zu Prosumer wird und selbst für Inhalte sorgen kann.

Sabrina schrieb am 17. September, 2012 @ 14:50

Im ersten Moment dachte ich, dass sich der Artikel über Semantik im Bezug auf SEO-Texte bezieht, aber ich wurde positiv überrascht. Interessante Infos hast du da Rike, auch wenn es sicherlich nicht leicht ist, hier Fuß zu fassen. Wer hier jedoch Pioneer wird, kann sicherlich einiges an Traffic abgreifen.

Doris schrieb am 17. September, 2012 @ 16:33

Cool, lese hier jetzt zum ersten mal, das Google eine Rezeptsuche hat. Da freu ich mich schon drauf, wenn diese in Deutschland ankommt.

Tamer schrieb am 19. September, 2012 @ 14:36

Sehr interessanter Artikel und auch interessant zu sehen und zu erahnen, wo die Reise hin geht.

Berndt schrieb am 19. September, 2012 @ 23:58

*lach* das mit den Rezepten ist bei mir auch im kopf geblieben, bin schon gespannt drauf ^^

Carsten schrieb am 21. September, 2012 @ 10:43

Interessante Zusammenstellung, vielen Dank dafür. Aber wurde die „Sternchenbewertung“ nicht aus den Rich Snippets wieder entfernt?

Sandra schrieb am 21. September, 2012 @ 19:21

Links bei Wikipedia zu platzieren ist mir leider noch nie gelungen… – ich werde mit meinen Erweiterungen regelmäßig abgewiesen… – es scheint als ob Wikipedia ein eigener Kreis ist, und die Leute dort die Macht haben zu entscheiden ob der verlinkte Mehrwert gegeben ist oder nicht, und auch wenn er wirklich mehrwert bringt muss es nicht zwangsläufig aufgenommen werden… – Leider!

Andreas schrieb am 23. September, 2012 @ 10:00

Sehr schöner Artikel, ich würde auch sagen das Thema semantisches Web wird immer wichtiger. Jeder SEO bzw. Online Marketer sollte sich damit beschäftigen.

Manuel schrieb am 24. September, 2012 @ 17:52

Bin ja nicht neu bei dem ganzen SEO Zeugs, aber mit dem Thema sematisches Web bin ich jetzt noch nie in Kontakt gekommen. Irgendwie habe ich das Gefühl dass es noch nicht ganz so relevant sein kann, werde nach diesem Beitrag aber mal ein Auge darauf werfen ob es für mich zur Zeit Sinn macht!

Steven schrieb am 26. September, 2012 @ 13:53

Sehr interessante Zusammenstellung. Ins Besondere die Rich Snippets sind eine sehr gute Alternative, um weitere Informationen gezielt für den Suchenden aufzubereiten. Positiver Nebeneffekt ist natürlich die Erhöhung der Klickrate. Des Weiteren haben mich die KnowledgeGraph Infos des Artikels neugierig gemacht und die Entwicklung werde ich aufmerksam verfolgen.

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