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Screaming Frog 4.0 – Nützliche Anwendungsmöglichkeiten

Der Screaming Frog SEO Spider ist eines der nützlichsten SEO Tools überhaupt. Mit dem Screaming Frog kann man Internetseiten crawlen. Dabei wird das Tool nicht online benutzt, sondern auf den Rechner heruntergeladen. Mit dieser Software kann man, wenn man die Vollversion nutzt, eine unbegrenzte Anzahl von URLs crawlen. Dabei stehen eine Vielzahl von Einstellungs- und Anwendungsmöglichkeiten zur Verfügung.

Mein Kollege Michael Löhr hat vor einem Jahr bereits einen Artikel geschrieben mit 5 Anwendungstipps für den Screaming Frog, die vermutlich bei (fast) jedem SEO zur alltäglichen Arbeit gehören. Anders als bei vielen anderen Tools geht es in der Entwicklung im hohen Tempo voran und man kann sich regelmäßig über neue Funktionen und Anwendungsmöglichkeiten freuen. Deshalb ist es jetzt an der Zeit, ein paar weitere Funktionen vorzustellen, die bei der alltäglichen Arbeit sinnvoll sein können und zudem noch Zeit einsparen.

Google Analytics Daten integrieren

Die vermutlich praktischste neue Funktion ab Screaming Frog 4.0 ist die Möglichkeit Google Analytics Daten in Screaming Frog einzubeziehen. Warum ist das praktisch? Weil man jetzt die Crawldaten von Screaming Frog sofort zusammen in einer Tabelle mit den Trafficdaten von Google Analytics hat. Eine Zeile enthält nun eine Fülle von Informationen, die man bislang erst in Excel selber zusammensetzen musste.

Wie integriere ich Google Analytics Daten in Screaming Frog?

Im Hauptmenü einfach nacheinander auf „Configuration“, „API Access“ und „Google Analytics klicken“.

Screaming Frog neuer Account

In dem sich öffnenden Fenster dann auf “Connect to New Account” klicken. Ein Browserfenster öffnet sich und man muss im Google Account genehmigen, dass der Screaming Frog die Google Analytics Daten abrufen darf.

Jetzt müssen im Menü noch folgende Punkte ausgewählt werden:

User Account

Hier können der Account, die Property, die View und das gewünschte Segment ausgewählt werden.

Date Range

Hier muss ein Start- und ein Enddatum eingegeben werden. Anders als die gecrawlten Daten, die immer aktuell sind, muss man sich hier auf einen fest definierten Zeitraum in der Vergangenheit festlegen.

Metrics

Hier kann man bis zu 20 Metriken auswählen, die in Screaming Frog integriert werden sollen. Zur Auswahl stehen User, Session, Page Tracking, Goals, Ecommerce, Adwords, Site Speed, AdSense, Social Activities und Social Interactions.

Dimensions

Hier kann in der Regel die Standardeinstellung übernommen werden.

General

Auch hier kann die Standardeinstellung übernommen werden.

Screaming Frog Crawl Ergebnisse

Wo werden die Google Analytics Daten angezeigt?

Die Datentabelle unter „Internal“ enthält am rechten Rand die hinzugefügten Werte in zusätzlichen Spalten. In einer Zeile hat man nun die gecrawlten Daten sowie die Trafficdaten.

Welche Vor- und Nachteile gibt es?

Der Vorteil ist, dass man nun Daten aus zwei Quellen in einer Tabelle hat. Damit kann man einen Arbeitsschritt überspringen – das spart Zeit und ermöglicht den Vergleich sehr vieler Daten auf einen Blick.

Der Nachteil ist, dass man immer nur mit einem Account verknüpft sein kann und vor jeder Nutzung dieser Funktion eine Verbindung mit Google Analytics hergestellt werden muss. Will man nacheinander verschiedene Seiten untersuchen, muss man die Verbindung erst trennen und danach mit einer anderen Einstellung für die nächste Seite wiederherstellen.

Überschriftenstruktur erfassen

H1- und H2-Überschriften werden von Screaming Frog ohnehin schon erfasst. Für die Gliederung von Texten werden eher selten auch H3-, H4- und H5-Überschriften verwendet. Es kommt allerdings oft vor, dass solche Überschriften zur Gestaltung von Menü- und Navigationselementen genutzt werden, was eigentlich nicht deren Aufgabe ist.

Mit Hilfe der Custom-Extraction-Funktion kann man nun den Crawl so erweitern, dass neben H1- und H2-Überschriften auch weitere Überschriften bzw. Überschriftenauszeichnungen erfasst werden. Dadurch spart man sich die zeitaufwendige manuelle Suche in den Quelltexten der einzelnen URLs.

Wir kann ich weitere Überschriften erfassen?

Dazu muss man im Hauptmenü auf „Configuration“ klicken, dann auf „Custom“ und „Extraction“. In dem nun folgenden Fenster können 10 Regeln eingetragen werden. Bevor man etwas anderes eintragen kann, muss man in der zweiten Spalte im Dropdown-Menü „Regex“ auswählen. Jetzt kann man links eine Bezeichnung eingeben, die als Spaltenname in der Crawl-Ergebnistabelle fungiert. In die dritte Spalte kommt nun folgende Formel:

<h3>(.*?)</h3>

Diese sagt aus, dass alles angezeigt wird, was zwischen dem öffnenden <h3> und dem schließenden </h3> Tag steht.

Screaming Frog Überschriften

Diesen Vorgang kann man mehrfach wiederholen und Abfragen für h4-, h5- und ggf. weitere Überschriftenauszeichnungen anlegen. Hierzu muss in der Formel nur das h3 jeweils durch die entsprechende andere Überschrift ersetzt werden.

Google Tag Manager Code erfassen

Der Tag Manager Code muss auf allen URLs, die man tracken möchte, implementiert werden. Nicht selten kommt es jedoch vor, dass auf einzelnen URLs oder auf gewissen Seitentypen der Code nicht vorhanden ist und somit eine Datenerfassung nicht möglich ist. Um nicht manuell (im Quelltext oder über diverse Add-ons) die einzelnen Seiten prüfen zu müssen, kann die Implementierung auch mithilfe des Screaming Frog überprüft werden.

Wie crawle ich die Tag Manager Codes?

Analog zur Erfassung der Überschriftenstruktur nutzt man auch hier die Funktion „Custom Extraction“, die unter „Configuration“ und „Custom“ zu finden ist.

Hier wählt man dann auch wieder „Regex“ im Dropdown-Menü aus und gibt folgenden Befehl ein:

[„‚](GTM-.*?)[„‚]

Crawlt man jetzt die Seite neu, wird in der Spalte „Tag Manager“ der jeweilige Tag Manager Code angezeigt, sofern er vorhanden ist. Es kann auch geprüft werden, ob auf allen URLs der gleiche Code eingebunden ist, oder ob es verschiedene Codes auf einer Domain gibt.

Gibt es noch keinen Tag Manager Code und wird das Tracking direkt mit einem Google Analytics Code ermöglicht, kann die Formel einfach angepasst werden, indem das GTM durch ein UA ersetzt wird, und dann wie folgt aussieht:

[„‚](UA-.*?)[„‚]

XML-Sitemap erstellen

Die Funktion, die es ermöglicht, mit dem Screaming Frog eine XML-Sitemap zu erstellen, gibt es nicht erst seit Version 4.0. Deshalb ist sie aber nicht minder interessant, denn oft müssen zur Erstellung von XML-Sitemaps extra Tools benutzt werden, während es im Screaming Frog diese Funktion ganz nebenbei dazu gibt.

Wie erstelle ich eine XML-Sitemap mit dem Screaming Frog?

Das Grundprinzip ist ganz einfach: Zunächst wird eine Seite gecrawlt und wenn der Crawl abgeschlossen ist, klickt man im Hauptmenü auf „Sitemaps“ und „Create XML Sitemaps“.

Screaming Frog Sitemap

In dem sich öffnenden Menü gibt es nun die Punkte “Pages”, “Last Modified”, “Priority”, “Change Frequency” und “Images”:

Pages

Hier kann ausgewählt werden, ob auch noindex-Seiten, kanonische Seiten, paginierte Seiten und/oder PDFs mit in die Sitemap einbezogen werden sollen.

Last Modified

Ob das lastmod-tag verwendet werden soll, wird hier festgelegt. Wenn man sich dafür entscheidet, kann gewählt werden, ob man die Server Response oder das Custom Date als Grundlage verwenden will.

Priority

Hier kann die Priorität festgelegt werden, mit der eine Suchmaschine die jeweilige URLs crawlt. Die Werte können von 0,0 bis 1,0 reichen, wobei 0,5 die Standardpriorität ist.

Change Frequency

Soll das changefreq-tag verwendet werden oder nicht? Diese Einstellung kann hier vorgenommen werden. Dieses Tag gibt die Häufigkeit an, mit der sich die Seite voraussichtlich ändern wird.

Images

Mithilfe dieses Punktes können Bilder mit in die Sitemap einbezogen werden.

Seitenstruktur erfassen

Gerade größere Seiten haben oft ziemlich unübersichtliche Seitenstrukturen. Neben der klassischen Listenansicht kann schon seit Version 3.0 auch die Baumansicht geändert werden. Dazu muss einfach links von der Suche die View von „List“ auf „Tree“ umgeändert werden.

Screaming Frog Seitenstruktur

In dem Screenshoot ist zu erkennen, dass jetzt links von der Adress-Spalte eine Spalte hinzugefügt wurde, in der der Pfad abgebildet ist. Die Verzeichnisse und Seiten sind entsprechend eingerückt, sodass man eine übersichtliche visuelle Darstellung der Seitenstruktur erhält.

Fazit

Der Screaming Frog SEO Spider ist, wahrscheinlich nicht nur für SEOs, ein sehr nützliches Tool, das einem viel Arbeit ersparen kann und sehr vielseitig einsetzbar ist. Die regelmäßigen Updates bringen nicht nur, wie so oft, kleinere Verbesserungen und Korrekturen, sondern gleich eine ganze Menge neuer und praktischer Anwendungsmöglichkeiten mit sich. Ich bin gespannt, mit welchen Funktionen mich das Tool in Zukunft überraschen wird.

Robert Zimmermann ist Senior Consultant SEO bei rankingCHECK und schreibt über alle Themen, die mit Suchmaschinenoptimierung zu tun haben. Privates gibt es unter robert-zimmermann.net

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Ein Kommentar

Samuel schrieb am 26. August, 2015 @ 21:00

Hallo Robert,

ich bin von seo-united auf Euch gestoßen. Vielen Dank für den ausführlichen Beitrag. Ich selber nutze sehr oft Sreaming Frog, mir waren jedoch einige Dinge unklar. Da hat mir dein Blogpost weiter geholfen. Danke dafür!

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