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Nützliche Helferlein: Textanalyse-Tools

Sicher hast Du das auch schon einmal erlebt: Du wirst auf einen Artikel aufmerksam, dessen Thema Dich interessiert – Du beginnst zu lesen und zwei Absätze später springst Du gelangweilt ab. Der Artikel packt Dich einfach nicht. Oft liegt es daran, dass der Text handwerklich nicht gut gemacht ist. Dabei gibt es Hilfe für alle, die zwar sehr kreativ sind, sich in Sachen Texter-Handwerk aber etwas schwer tun: Textanalyse-Tools.

Die Grundlage: das Hamburger Verständlichkeitskonzept

Textanalyse-Tools helfen dabei, die handwerkliche Qualität eines Textes zu verbessern. Die meisten dieser Tools analysieren den Text unter anderem auf Basis des so genannten Hamburger Verständlichkeitskonzepts. Die Psychologen Langer, Tausch und Schulz von Thun entwickelten dieses Konzept zwischen 1969 und 1974 mit dem Ziel, allgemeingültige Kriterien für die Verständlichkeit und Lesbarkeit von Texten zu finden. Grob gesagt bewertet das Konzept Texte nach den Kriterien:

  • Einfachheit (keine Bandwurmsätze, keine Wortmonster, wenig Fremdwörter)
  • Prägnanz (Verben statt Substantive, nicht zu weitschweifig)
  • Gliederung (Absätze, roter Faden und Informationsziel erkennbar)
  • Anregung (Bilder, Grafiken)

Gerade für Online-Texte passt dieses Konzept wunderbar, denn beim Lesen am Bildschirm sind wir ungeduldig. Wir scannen die Seite nach den gesuchten Informationen, bleiben an H1 und Zwischenüberschriften hängen und lassen uns von kurzen, übersichtlichen Absätzen zum Einstieg in den Text überzeugen.

Die wichtigsten Kriterien

Für die Verständlichkeit eines Textes sind die Merkmale „Einfachheit“ und „Gliederung“ ausschlaggebend. Stimmt der Text in diesen Bereichen, fühle ich mich als Leser gut informiert und verzeihe eher Substantivierungen und fehlende Illustrationen. Andersherum nützt es nichts, wenn der Text durch ansprechende Bilder und unterhaltsame Schreibe glänzt, wenn der Leser weder einen roten Faden noch einen Zugang zum Text findet.

Gilt für alle Textarten und Zielgruppen

Diese vier ganz grundlegenden Qualitätsmerkmale für die Verständlichkeit von Texten gelten für alle Zielgruppen und Themen gleichermaßen: wer sachliche Informationen vermitteln möchte, sollte sich ebenso klar und verständlich ausdrücken, wie jemand, der einen emotionalen Blogbeitrag schreibt. Ohne eine gute Gliederung und ohne eine prägnante, klare Sprache fällt es schwer dem Text zu folgen. Fehlen außerdem erklärende Bilder oder Grafiken, besteht die Gefahr, dass auch der spannendste Inhalt ungelesen in den Weiten des Webs verschwindet.

Arbeiten mit Textanalyse-Tools

Es gibt eine ganze Reihe kostenloser – und kostenpflichtiger – Tools, mit denen man die Qualität eines Textes testen und verbessern kann. Prinzipiell funktionieren sie alle ähnlich: Man gibt seinen Text ein und das Tool spuckt die Analyse aus. Einige Tools liefern Informationen über die Lesbarkeit und Verständlichkeit, also über Passivformulierungen, Phrasen und so weiter. Andere bieten ausschließlich statistische Kennzahlen wie die Anzahl der Sätze, der Wörter pro Satz, der Silben pro Wort und so weiter. Letzteres finde ich persönlich nur begrenzt hilfreich, denn ich merke beim Korrekturlesen selbst, ob ich zum Beispiel fast nur 3-Wort-Sätze benutze oder ob sich Wortmonster mit viel zu vielen Silben eingeschlichen haben.

Kostenlos und empfehlenswert: Die Wortliga

Ich habe verschiedene Tools ausprobiert und für mich ist das Textanalyse-Tool der Wortliga das Beste. Es ist kostenlos, leicht zu bedienen und analysiert den Text auf alle wichtigen Fehler. Das Ergebnis bekommt man am Rand in verschiedenen Farben angezeigt:

  • Grün: alles o.k.!
  • Gelb: Achtung, hier geht es besser!
  • Rot: Fehler!

Fährt man mit der Maus über das kleine „i“ werden die entsprechenden Stellen im Text gelb hervorgehoben.

Textanalyse

Mit diesem Ergebnis kann ich arbeiten. Ich sehe die Schwachpunkte meines Textes schwarz auf Weiß und kann gezielte Änderungen vornehmen, damit mein Text runder und leichter verständlich wird. In meinem Fall sollten hier und da Füllwörter verschwinden – ich gebe zu, das muss ich am Ende jedes Textes machen … Ich kann an den angezeigten Stellen aktiver formulieren und leere Phrasen streichen. Wenn ich das will.

Das Tool der Wortliga analysiert nicht nur die statistischen Werte meines Textes, sondern hilft mir auch dabei, stilistische Feinheiten zu verbessern. Auch die Ausgabe des Ergebnisses überzeugt mich, denn sie ist übersichtlich und leicht verständlich. Wo andere Tools einen so genannten Flesch-Wert angeben, der mir nicht weiterhilft, sagt mir die Wortliga ganz konkret, wo mein Text Stärken und Schwächen hat. Hier ist keine lange Analyse der ausgegebenen Werte mehr nötig. Insgesamt ein effektives Tool, das mich beim Überarbeiten meiner Texte gut unterstützt.

Weitere Textanalyse-Tools

Die Zahl der Textanalyse-Tools ist riesig. Unter ihnen gibt es nützliche und weniger nützliche, spezialisierte und nicht ganz ernst gemeinte. Exemplarisch möchte ich Euch die Folgenden ans Texter-Herz legen:

  • Speziell für Online-PR gedacht ist das Tool des Presseanzeigers. Hier gibt man seinen Text ein und bekommt eine ausführliche Analyse im Hinblick auf die Kriterien eines PR-Textes. Darunter gibt es eine umfangreiche Erklärung der Werte.
  • Eher für Spaß ist das BlaBlaMeter „Wie viel Bullshit steckt in Ihrem Text?“ Das Tool eignet sich für Texte mit bis zu 15.000 Zeichen und gibt den sogenannten „Bullshit-Index“ des Textes an. Nur heiße Luft in Rosa oder fundierte Informationen? Mehr Substanz hat das Tool nicht. Spaß macht es trotzdem!
  • Nützlich für alle, die wie ich zu viele Füllwörter benutzen, ist der Füllwörter-Test des Schreiblabors. Gnadenlos werden alle unnötigen und inhaltsleeren Wörter rot markiert und können gestrichen werden, falls es Sinn macht.

Kostenpflichtiges Tool

Unter den kostenpflichtigen Tools sticht eins immer wieder besonders hervor: Die Software von Lingulab. Ich habe es nicht selbst getestet und kann daher kein Urteil abgeben. Der Leistungsumfang des Angebots stellt den der kostenlosen Tools allerdings weit in den Schatten.

Ein Profi-Abo von Lingulab kostet derzeit knapp 40 Euro im Monat und ermöglicht 125 Analysen. Hier lassen sich auch Texte im Ganzen direkt von Word importieren. Lingulab prüft Texte auf Verständlichkeit, Web-Tauglichkeit und Suchmaschinenrelevanz.

Fazit: Wie nützlich sind Textanalyse-Tools?

Textanalyse-Tools helfen dabei, einen Text systematisch und statistisch zu durchleuchten. Sie finden Füllwörter, Passiv-Sätze und andere eher handwerkliche Fehler. Trotzdem ist am Ende immer noch der Schreiber selbst gefragt, denn er muss die Ergebnisse der Analyse praktisch umsetzen. Auch für die Kreativität und die gute Schreibe ist man als Texter weiterhin selbst verantwortlich.

Geschrieben von

Elke ist Online-Redakteurin bei rankingCHECK. Neben allem, was mit Schreiben und Journalismus zu tun hat, sind Umwelt- und Tierschutz Elkes Lieblingsthemen.

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Ein Kommentar

Florian schrieb am 4. März, 2016 @ 14:31

Hallo Elke,

das sind wirklich mal nützliche Tools. Vielen Dank für die Tipps.

Beste Grüße
Florian

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