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SEO Sunday: Geodaten als Rankingfaktor im mobilen Web?

So ziemlich jeder dürfte in den letzten 1-2 Wochen die Diskussion um die Auswirkungen von Social Media Faktoren auf das Suchmaschinenranking mitverfolgt haben. Während sich die einen ehr kritisch dem Thema gegenüber äußern, werden aus den hiesigen Laboren Experimenten erste Beweise für die Auswirkungen von Tweets aufgeführt. Sicherlich wird das nicht das letzte Mal gewesen sein, dass die Thematik angesprochen wird und voraussichtlich stellt die derzeitige Diskussion nur den Beginn einer weitläufigeren Ergänzung um derzeitige Rankingfaktoren dar. Fest steht Offensichtlich erscheint jedoch, dass sich in Punkto Reputationsmanagement einiges tut und zukünftig möglicherweise zusätzliche, vielleicht sogar gänzlich neue Faktoren eine Rolle spielen werden. In diesem Rahmen würde ich daher gerne einen weiteren Punkt in die Zukunftsvision hinzufügen und mich einmal ein wenig intensiver mit den Möglichkeiten von Geosensitiven Daten im mobilen Web auseinander setzen.

 

Was sind Geodaten überhaupt? Mittlerweile ist weitestgehend jedes Smartphone in der Lage den geografischen Standort zu lokalisieren. Doch wie macht es das? Dazu existieren mehrere Möglichkeiten, angefangen bei der ziemlich ungenauen Mobilfunkzellenortung, über die WLAN Acces Point Lokalisierung bis hin zur –state oft he Art– GPS Ortung. Letztere wird dabei über die Trilateration von mindestens 3  theoretisch „sichtbaren“ Satteliten realisiert und erreicht eine Präzision von bis zu ±5m. Mittels unterstützender Techniken wie AGPS mitunter sogar noch genauer. Ok, um es aber an dieser Stelle nicht zu technisch ausarten zu lassen, halten wir fest: Ein Mobiltelefon ist heute in der Lage mit einer ziemlich beeindruckenden Präzision und bei entsprechenden Voraussetzungen (freie Himmelssicht) zu ermitteln, wo es sich gerade befindet. Und was dabei entsteht sind letztendlich nichts anderes als Daten.

 

Betrachtet man nun einmal eben jene Daten, die beispielsweise zur Bestimmung einer geografischen Lage in einem Zweidimensionalen Kartensystem erforderlich sind, so kommen hierbei zwei Parameter heraus, die wir sicherlich noch alle aus dem Erdkundeunterricht kennen: Die Breiten- und Längengerade. Und das sind letztendlich nichts anderes als zwei Zahlenfolgen wie etwa 52.5186111 und 13.3761111 (deutscher Bundestag). Gibt man diese beiden Daten, getrennt mit einem Komma, in Google Maps ein, so landet man denn also auch ziemlich treffsicher auf dem schönen Umriss des deutschen Bundestages in Berlin. Dabei wären wir dann auch bei dem angekommen, worum es hier eigentlich gehen soll: Was macht Google mit diesen Daten oder: was könnte Google mit diesen Daten anfangen?

 

Das Potential von Geodaten ist schier unerschöpflich. Was sich im ersten Eindruck wie die Einleitung zu einem schlechten Werbetext anhört, ergibt ziemlich schnell Sinn, wenn man sich einmal die bisherigen Einsatzgebiete anschaut: In dem Bereich mobiler nativer Anwendungen (Apps) fußt die Ortungsfunktion schon Lange und hat sich mittlerweile zu einem –fast schon Standard- Feature diverser Szenarien entwickelt. Von der Umgebungssuche, über das Wandertracking bis hin zur Check-In Lösung scheint derzeit jedes Zweite Produkt eine neuartige Funktionalität, die auf einer geografischen Lokalisierung basiert zu entwickeln. Warum also nicht im mobilen Web?

Wer sich ein bisschen in dem Bereich umschaut, dem wird ziemlich schnell auffallen, dass das mobile Web bisher kaum von der Möglichkeit GPS Daten zu beziehen profitiert (wenn man einmal von Google Maps absieht). Hauptsächlich werden hier lokale Bildersuchen wie Flickr oder Picasa durch Geodaten angereichert. Dabei existieren –zumindest technisch– die gleichen Möglichkeiten. Über die W3C Geolocation API ist es beispielweise möglich, vollkommen webbasiert den GPS Sensor des Endgerätes anzusprechen. Und mit den hieraus bezogenen Geodaten lässt sich faktisch nun einmal arbeiten. Was bedeutet das: Auf der einen Seite ließen sich in Punkto OnPage Optimierung alle möglichen Szenarien für das eigene Webportal abfangen. Möglich wären hier beispielsweise geosensitive Produktsuchen in Webshops oder Umgebungssuchen in sozialen Netzen.

Viel interessanter erscheint mir jedoch die Möglichkeit, die durch das Hinterlegen von Metadaten möglich wäre. Und hier schließt sich der Kreis, den ich mit der Einleitung begonnen habe zu vollziehen: Was wäre, wenn Google die Geografische Information als Rankingfaktor in der organischen Suche mitverwenden würde? Was wäre, wenn Google also die hinterlegte Metainformation in Relation zum aktuellen Standort und der Suchanfrage selbst setzen würde? Realisieren ließe sich das beispielsweise durch das schon vorhandene Geo meta tag, in dem die GPS Koordinaten geschrieben werden, zu denen die Domain ranken soll. Gegen ein derartiges Vorgehen hat sich Matt Cutts im folgenden Screencast jedoch bereits 2009 geäußert:

Und auch Christian Stephan von knol beobachtet hierzu keine veränderten Auswirkungen:

Betrachten wir jedoch einmal das Potential des mobilen Googlen-Index, so ließe sich nicht nur der Umstand abfangen, dass grundsätzlich ein mobiles Endgerät verwendet wird, sondern auch, wo eben jenes verwendet wird. Suche ich beispielsweise nach dem Keyword „Herrenmode“, so würden mir die SERPs nicht jene Positionen anzeigen, die hierzu am besten im mobilen Index ranken, sondern jene die hierzu am besten im mobilen Index an genau dieser geografischen Position ranken. Somit würden zwei entscheidende und zu optimierende Faktoren existieren, die die mobile Suche von der stationären unterscheiden und mit Mehrwert anreichern würden.

Ok, in gewisser Weise ist das zunächst einmal nichts neues, existieren doch zahlreiche native Apps, die genau diese Umgebungssuche realisieren. Sprich: „wo ist das nächste Restaurant“ etc. pp. Und in gewisser Weise setzt natürlich auch Google heute schon eine Umgebungssuche um, indem zu entsprechenden Brandings und Keywords ein Kartenausschnitt sowie Kontaktdaten mitgeliefert werden. Dabei setzt Google aber ausschließlich auf die eigenen Plattformen Maps und Places und den hier eingetragenen Adressdaten. Die Möglichkeit auf die vielleicht tatsächlich relevanteren Geodaten von Webseiten selbst zuzugreifen scheint hierbei weitestgehend ausser acht gelassen zu werden. So behauptet Hanns Kronenberg in seinem Blogbeitrag zum Google Places Ranking folgende These:

Damit wird weniger ein organischer Rankingfaktor beeinflusst, denn ein lokaler Einstieg in bestimmte Produktplattformen ermöglicht. Außerdem nutzt Google zur Standortbestimmung ausschließlich die User IP Adresse oder die TLD, (bei entsprechender Voreinstellung lassen sich hierzu auch GPS Daten vom Endgerät abrufen) oder aber es bedarf der manuellen Eingabe des gewünschten Standortes, was in dem Kontext nicht Sinn der Sache sein kann. Anders ausgedrückt: Google setzt grundsätzlich eine lokale Suche um, aber keinen Location Based Service (bzw. Search).

 

Jasper Thibaut ist Head of SEO bei rankingCHECK und mobile SEO Spezialist. Beruflich wie auch privat setzt er sich verstärkt mit dem mobilen Web und Disziplinen des mobile Marketings auseinander. Mehr von ihm gibt es auf jasper-thibaut.de

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