SEO Sunday – Tipping Point und SEO

Vor einigen Monaten ist mir ehr beiläufig eine Theorie dargelegt worden, die bei mir direkt eine ganze Reihe an Assoziationsketten ausgelöst hat. Die Rede ist von dem Begriff des so genannten Tipping Point, der vor allem durch die Ausführungen Malcolm Gladwell’s in seinem Buch Tipping Point – Wie kleine Dinge Großes bewirken können an Popularität gewonnen hat. Was genau steckt dahinter? Wer sich den Untertitel „How Little Things Can Make A Big Difference“ einmal durch den Kopf gehen lässt, dem wird vermutlich eine erste Ahnung aufgehen.

Grundsätzlich lässt sich der Begriff Tipping Point auf einen Moment oder Punkt reduzieren, der als Umschlag einer bestimmten Entwicklung in eine bis dato unvorhersehbare Situation oder Beschaffenheit bestimmt werden kann. Um es ein wenig kürzer zu fassen, zu deutsch: Umkipp-Punkt oder Umschlagspunkt. Doch wie ist dieser Moment zu definieren und vor allem: Was löst Ihn aus? Um diese Fragen zu beantworten, hat Gladwell drei verschiedene Faktoren identifiziert, die nicht allzu wenig mit einigen der grundlegendsten SEO Tugenden zu tun haben:

 

Der –meiner Meinung nach– fast schon ausschlaggebendste Faktor wird von Gladwell als das Gesetz der Wenigen bezeichnet. Wenngleich es ein wenig überzogen klingen mag, direkt von Gesetzen zu sprechen, so grenzt dieser Faktor doch genau einen Aspekt ein, der uns allen aus der OffPage Optimierung bekannt vorkommen sollte. Also:
Das Gesetz der Wenigen besagt, dass die Einflussnahme bestimmter Mitglieder einer Gruppe überproportional hoch ausfällt, gegenüber der anderer Mitglieder. Das kennen wir alle sowohl aus dem Internet als auch aus der Offline Welt. Anders ausgedrückt könnte man auch von Trendsettern, Meinungsführern oder –meinetwegen– besonders extrovertierten, charismatischen, gebildeten und beliebten Individuen sprechen. Während ich diese pseudo-Definition hier ausformuliere, kommt mir ganz offenkundig ein bestimmter Begriff in den Sinn, und der lautet „Trust“

Wenn wir die große Gruppe unterschiedlich stark einflussreicher Mitglieder nun einmal als das große, weite Geflecht des WWW betrachten, so lässt sich dieses Prinzip 1:1 übertragen. Jeder der sich einmal intensiver mit den Praktiken des Linkaufbaus beschäftigt hat (und das wird vermutlich jeder Leser dieses Posts sein), weiß ganz genau, dass es so genannte Trust-Links gibt und der gesamte Themenkomplex darauf basiert, dass die Links unterschiedlich starker Websites unterschiedlich viel Power vererben. Wer beispielsweise einen Content-Link eines Top-Artikels eines führenden Online-Magazins erhält, kann recht sicher gehen, dass er hierbei von der Einflussnahme eines Meinungsführers profitieren wird. Ein Bookmarklink aus dem Portfolio einer lustigen Seite a-la xyz-bookmarks-for-seo.cc wird demgegenüber ehr den Einfluss der Aussage des zittrigen, in der Ecke stehenden Gruppenmitglieds haben. Man kann also sagen: einzelne Autoritäten haben einen weitaus größeren Einfluss, als weniger hervorstechende Gruppenmitglieder. Daher sprechen wir in der SEO Welt auch von so genannten Authorities oder Hubs.

 

Der zweite Faktor Gladwells bezieht sich auf die Art der Präsentation einer Botschaft und der damit einhergehenden Wirkung sowie dem Einfluss dieser. Frei übersetzt mit „Haftenbleiben“ beschreibt die Stickiness jene Möglichkeit(en), die dazu führen, dass eine irgendwie geartete Botschaft beim Empfänger einen Eindruck hinterlässt sowie zum Handeln auffordert. Das schreit doch geradezu nach dem Inbegriff der Conversion, oder? 

Auf der einen Seite sprechen wir hierbei von diversen Erfolgsfaktoren und natürlich auch Alleinstellungsmerkmalen, auf der anderen Seite resultiert das Ganze in eine Definition derart, wie gewisser Mehrwert geschaffen wird, der gegenüber Wettbewerbern stickier ist. Dabei können gerade auch kleinere Variationen größere Auswirkungen haben.
Dieser Punkt ist etwas schwer zu fassen, streift er doch eine ganze Reihe diverser Faktoren die allumfassend im Online-Marketing sowie der Suchmaschinenoptimierung eine große Rolle spielen.

 

Gladwell spricht in seiner finalen These von Umweltbedingungen, die als Auslöser für die Verbreitung gewisser Handlungsakte oder Umstände in einer breiten Masse von Menschen fungieren. Auch wenn ich den etwas langwierigen Vergleich mit der Verbrechensbekämpfung Giuliani’s im New York der 80er Jahre jetzt einmal außen vor lassen möchte, so ist der Einfluss von Umgebungsvariablen gerade in Punkto Usability und OnPage mit Sicherheit ein nicht zu unterschätzender Faktor. 

So verwundert es nicht gerade, dass allzu große Hürden, seien Sie technologischer, funktionaler, inhaltlicher oder optischer Herkunft, das Nutzerverhalten des Users maßgeblich beeinflussen. Wer als Webseitenbetreiber nicht auf eine klare Strukturierung seiner Navigation, eine ordentliche Auszeichnung seiner Inhalte oder aber eine vernünftige Optimierung seiner Unterseiten achtet, kann mit ganz gravierenden Folgen wie dem Anstieg der Bounce Rate, dem Abfall der CTR und letztendlich dem Schwund des Traffics rechnen. Und das ist nur ein ganz geringer Teil an Umgebungsvariablen, die den User in seinem Handeln enorm beeinflussen. Und wir sprechen hier wirklich von dem User und (erstmal) nicht von Google.

In diesem Zusammenhang noch einmal die wunderschöne Infografik zum Blog Design von SEOmoz:

 

Fairerweise muss ich (leider) zugeben, dass ich nicht der erste bin, der Gladwell’s Theorie um den Tipping Point mit der Suchmaschinenoptimierung in Zusammenhang gebracht hat. Wenngleich meine erste Assoziation direkt in diese Richtung führte, ist mir bei der Recherche für diesen Artikel doch folgender Beitrag vom Nerd in Skirt aufgefallen, der die Thematik sehr gut aufgreift, jedoch etwas allgemeiner auf die Theorie eingeht: The Tipping Point and SEO.  

Geschrieben von Jasper Thibaut

Jasper ist SEO Manager bei der rankingCHECK GmbH und kümmert sich um alle Angelegenheiten rund um SEO relevante On- & OffPage Optimierung. Darüber hinaus interessiert er sich für den Bereich mobile Web und insbesondere mobile SEO sowohl privat ( jasper-thibaut.de ) als auch beruflich.

2 Kommentare

  1. Michael O. Schrieb am

    23. April, 2007 @ 11:44

    Hallo,

    eigentlich finde ich die Idee einer freien Enzyklopädie ( Wikipedia ) ganz gut. Nur musste ich am eignenden Leibe erfahren das sie wohl doch nicht frei ist. Ich habe am 19. April.2007 einen Artikel, über dem Ferienheim Oberwald Dürrenroth verfasst. Dieses ist mir schon sehr schwer gefallen und habe darum Hilfe von meinem Bruder bekommen. Danke noch mal dafür.1. Ich finde als Person die das erste mal macht, wird es einem sehr schwer gemacht. Aber, Hurra nach 3 Stunden war es geschafft. Danach musste ich bestätigen das der Artikel und das Foto wirklich von mir sind. Danach wurde der Artikel frei gegeben. Am nächsten Tag, wie durch ein Wunder wurde der Artikel gelöscht, statt mich vorher zu informieren, geschweige den mit mir zu reden. 2. Ich finde es wird zu einfach gemacht einfach was zu streichen, bzw. zu löschen. 3. Mein Eindruck ist das jeder in „ meinen „ Artikel reinpfuschen kann. 4. Das war mein erster und letzter Artikel. 5. Wollte schon immer mal was Reinschreiben in Wikipedia, aber man macht es einem doch unmöglich. Besonders einem Neuling der das erst mal schreib. Soll sie in ihrer Welt leben. Ich bin aufjedenfall glücklich wen so was ähnliches bald auch in Deutsch von einer neuen „ Firma „ gemacht wird. Jemand lust?


  2. Mike Schrieb am

    27. Dezember, 2008 @ 2:48

    Ich hatte seit Juli 2008 zu viele Links zu meiner eigenen Webseite bei Wiki platziert. Ich wusste nicht, dass das verboten ist (“Eigenwerbung” o.ä.). Am 20. Dezember wurden alle Links auf allen Wikiseiten gelöscht. Trotz Einspruch blieb das bis heute so. Ich fragte Wiki heute, wie all die Leute aus dem Ausland es wohl finden, wenn sie sehen, dass ihr Input auch gelöscht wurde!?!? Eigentlich bin ich fassungslos. Ursprung der Löscherei war wohl ein Wiki-Automat, der Spam suchen soll. Dann hat sich u.a. ein 16jähriger Realschüler bei Wiki meiner Links “angenommen”…

    Happy 2009 allen!


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