SEO Sunday – Die größten mobile SEO Mythen & Fehler

Das Thema mobile SEO driftet mittlerweile zunehmend in Halbwahrheiten und Mythen ab. Fragen nach dem Potential, der technischen Realisierung sowie der Indizierbarkeit verkomplizieren die Thematik derart, dass die Hürde für eine Umsetzung mitunter abschrecken kann. Ich habe mit den Best Practices bereits versucht ein wenig Klarheit in den Komplex zu bringen und einige Missverständnisse aus dem Weg zu räumen. Auf der anderen Seite fällt mir ein zunehmendes Maß an offenen Fragen mit jeder weiteren Meinung zum Thema mobile SEO selbst negativ auf.

Inspiriert von einem Artikel auf searchengineland ist mir die Idee gekommen, mich einmal selbst mit den größten Mythen, Fehlern oder auch Missverständnissen der mobilen Suchmaschinen-optimierung auseinanderzusetzen:

 

Eine korrekte Darstellung impliziert mobile friendliness

Der Einleitungssatz von Googles GoMo Initiative hat es eigentlich ganz schön auf den Punkt gebracht: „Just because you can see your desktop site on a mobile phone doesn’t mean it’s mobile-friendly.“. Ich wiederhole mich mit diesem Satz bereits in Bezug auf meinen letzten Artikel, möchte dessen Bedeutung jedoch noch einmal hervorheben: Eine Desktop-Webseite mag in technischer Hinsicht noch so kompatibel zur mobilen Darstellung sein, in Punkto Benutzererfahrung, Szenario & Situation, Keywordoptimierung und Conversion-Potential spielen hier ganz andere Dinge eine Rolle. Das entspricht in etwa der Essenz meines Artikels zum Nutzen von mobile SEO.

Aus technischer Sicht ist außerdem eine Unterscheidung zwischen mobile-friendly und mobile-dedicated zu berücksichtigen. Während erstere hier lediglich die Darstellung betrifft, bezieht letztere technische Gegebenheiten mobiler Endgeräte wie GPS-Sensoren, Bewegungssensoren oder Berührungsempfindlichkeit mit ein. Das ist –grob gesagt– aber eine Definitionssache und sollte nicht so eng gesehen werden.

 

Jede Webseite benötigt eine mobile Version

Das wird jetzt einige Leser verwundern, ist der Artikel doch mit der Überschrift „Die größten mobile SEO Mythen & Fehler“ betitelt. In der Tat ist es aber so, dass eine mobile support-Strategie nicht wahllos entschieden werden sollte. Wer die Planung in Betracht zieht, sollte sich zunächst seine Trafficzahlen und User Agents von mobilen Endgeräten anschauen. Ist die mobile Bounce Rate hoch? Welche User Agents greifen zu? Ist das Suchvolumen meiner Hauptkeywords im mobilen Bereich hoch genug? Ein Blick in den eigenen Google Analytics Account oder die Webmaster Tools kann hier nicht schaden!

Darüber hinaus spielt natürlich auch die Branche eine entscheidende Rolle. Ich habe es bereits mehrfach erwähnt: Vermarkte ich eine lokale Pizzabude, einen Online-Shop oder ein Versicherungsunternehmen? Selbstverständlich schließt das eine das andere nicht aus, diese Aspekte sollten bei der Potentialanalyse aber in jedem Fall mit berücksichtigt werden.

 

Eine mobile Webseite ist überflüssig

Falsch, genauso wenig sollte natürlich das Potential mobiler Szenarien auf der Strecke liegen bleiben. Wer den mobilen Sektor gänzlich verkennt, kann auch ein entscheidendes Stück vom Kuchen verfehlen. Auf nur ein einziges Pferd zu setzen war noch nie eine gute Strategie! Entsprechend Punkt 2 sollte hier genauso gründlich analysiert werden, wie im Falle einer zu aggressiven Vorgehensweise.

 

Mobile = Mobile

Eines der weitreichendsten Irrglauben entstammt der Annahme, es gäbe das eine einzige mobile Web. Zuallererst also einmal folgendes: Das, was wir heute mit den Browsern unserer Smartphones ansurfen hat mit dem mobilen Web rein gar nichts zutun! Zumindest im Prinzip nicht. Wenn wir den Einstieg bei Google ansetzen, dann entspricht der Index exakt jenem der dekstop Suche (zumindest bis vor kurzem, aber dazu später mehr). Wir erhalten also genau die gleichen Suchergebnisse wie auf einem vollwertigen PC. Der Unterschied besteht darin, dass Webseiten anders formatiert werden oder auf mobile Varianten weitergeleitet werden. Auch sieht die Google Seite etwas anders aus und präsentiert uns eine bessere Usability. All das liegt jedoch einzig und allein an dem User-Agent, den das verwendete Endgerät im http-Request sendet. Und genau dieser unterscheidet sich von Gerät zu Gerät.

Das eigentliche mobile Web (wenn wir es überhaupt so nennen mögen) entstammt dabei der Nutzererfahrung, die über Endgeräte der Kategorie Feature-Phone gegen Ende der 90er Jahre zugänglich war. Einige kennen es wohl auch noch unter dem Namen WAP. Da dieses aber zunehmend in die Bedeutungslosigkeit abdriftet, bezeichnen wir jenes Internet, wie es auf unserem Smartphone erscheint, als mobile Web. Wichtig hierbei ist, dass sich dieses eklatant von einem WAP oder i-mode unterscheidet und in den Grundzügen eher dem klassischen Internet ähnelt als irgendeiner mobilen Entartung.

 

 

Ein mobiler Zugang reicht aus

Ein weiteres Problem besteht darin, eine mobile Webseite so zu gestalten, dass Sie unter gleichem Domainnamen (bzw. URL) nur auf eben jenen Endgeräten zugänglich ist. Mobiler Content muss ebenso auf Dekstop Rechnern abrufbar sein, da Google ansonsten von Cloaking ausgehen könnte.

 

Alle Desktop Inhalte müssen konvertiert werden

Auf der anderen Seite kann es durchaus Sinn machen, gewisse Inhalte der Hauptseite, der mobilen Version vorzuenthalten. Hier geht es in den Grundzügen um eine Verbesserung der Nutzererfahrung und der Bedienbarkeit. Eine 1:1 Portierung ist in den meisten Fällen überhaupt nicht notwendig, z.B. genau dann, wenn Elemente vorliegen, die in mobilen Situation überhaupt keinen Sinn machen.

 

Eine korrekte Indizierung setzt Mobile Subdomains voraus

Hierzu gibt es zwei Punkte die grundlegend zu klären sind. Zum ersten: eine korrekte Indizierung gibt es (bis zuletzt) nicht. Die Annahme, eine für die Generation Smartphone optimierte Webseite gehöre in den mobilen Google Index ist (bislang) falsch, da dieser bis zuletzt den Feature-Phones vorbehalten war. Daher machte es überhaupt keinen Sinn, irgendeine Anstrengung zu bemühen, einen anderen Index anzusprechen.

Zum zweiten: eine mobile Subdomain ist vielmehr eine Frage des Geschmacks und weniger eine technologische Notwendigkeit. Das gleiche trifft für die TLD .mobi zu. Beide Varianten sind in keinem Fall notwendig, um Google darüber zu informieren, über was für eine Art Webseite es sich handelt. Im Gegenteil: aus sich immer weiter verdichtenden Aspekten, macht eine standardisierte Domain inklusive Device-Detection heute zumeist mehr Sinn.

 

Mobile verursacht Duplicate Content

Auch hier handelt es sich um einen weitverbreiteten Irrglauben. Die Nutzung einer Standarddomain ist ohnehin unproblematisch, aber auch eine mobile Subdomain oder ein Unterverzeichnis mit theoretisch doppeltem Inhalt erkennt Google mittlerweile korrekt als mobile Variante. Wer ganz sicher gehen möchte, hinterlegt eine mobile Sitemap in den Webmaster Tools.

 

Durchgehende Startseitenweiterleitung

Hier spreche ich ehr von einem Fehler als einem Mythos. Wer seine mobile Website über eine Weiterleitung bereitstellt, sollte stets auf korrekte Weiterleitungen – auch zu den Unterseiten achten. Leider begegnen einem jedoch nochimmer zahlreiche Fälle, in denen jede noch so tiefe Unterseite durch eine mobile Weiterleitung auf die Startseite gelenkt wird. Das ist für den Nutzer so ziemlich das schlimmste, was passieren kann. Ich persönlich steige dann immer sofort aus, da es mir zu umständlich ist, die entsprechende Unterseite noch einmal manuell herauszusuchen. Unbedingt vermeiden!

 

!!! Der Googlebot–mobile ist für meine mobile Webseite zuständig !!!

Jetzt kommen wir zu dem Punkt, der die zahlreichen „später mehr“, „bislang“ oder „bis zuletzt“ bereits vorrausnahm: Eigentlich hätte ich an dieser Stelle soetwas schreiben wollen wie „Googlebot-Mobile indexiert nur WAP Content“  oder „es gibt nur einen gemeinsamen Index“.. Das implizieren die bisherigen Ausführungen ja auch bereits. An dieser Stelle muss ich jedoch eine Kehrtwendung einschlagen, denn Herr Cutts hat mir kürzlich mit folgendem Tweet einen Strich durch die Rechnung gemacht:

Googlebot-Mobile used to just be for feature phones, but now there’s a user agent for smartphones

Was das bedeutet liegt eigentlich klar auf der Hand. Um also das Missverständnis um ein Missverständnis aus dem Weg zu räumen: Googlebot-Mobile crawlt jetzt auch Smartphone Content. Im Umkehrschluss bedeutet das, dass wir in absehbarer Zeit möglicherweise doch andere SERPS auf mobilen Endgeräten erwarten dürften. Das ist für mich persönlich –um ehrlich zu sein– die spannendste Entwicklung in dem Bereich seit langem. Etwas detaillierter ist das ganze hier im Webmaster Central Blog beschrieben.

 

Fazit:

Da ich euch nicht länger quälen will, bezieh ich mich hier einfach mal auf das Zitat aus dem Webmaster Central Blog zum kürzlichen Googlebot-Mobile Update:

The content crawled by smartphone Googlebot-Mobile will be used primarily to improve the user experience on mobile search. (Yoshikiyo Kato, Software Engineer – Webmaster Central Blog)

 

Geschrieben von Jasper Thibaut

Jasper ist SEO Manager bei der rankingCHECK GmbH und kümmert sich um alle Angelegenheiten rund um SEO relevante On- & OffPage Optimierung. Darüber hinaus interessiert er sich für den Bereich mobile Web und insbesondere mobile SEO sowohl privat ( jasper-thibaut.de ) als auch beruflich.

14 Kommentare

  1. Martin Schrieb am

    9. Januar, 2012 @ 17:29

    Am besten finde ich immer noch den Punkt, dass nicht jede Webseite eine mobile Version braucht. Ich kenn Leute, die wollen z.B. um jeden Preis für ihren Blog eine mobile Version – für Blogs wohlgemerkt mit nicht mal 5 Besuchern am Tag. Naja, aber Hauptsache man lässt nichts aus…muss ja schließlich wichtig sein, wenn es das Neueste ist.


  2. Felix Meyer Schrieb am

    10. Januar, 2012 @ 9:50

    Man benötigt also zusätzlich eine extra für mobile Geräte optimierte Webseite, auf die zum Beispiel alle Smartphones weitergeleitet werden, um Vorteile in der mobilen Suche zu haben.
    Eine Internetseite, die so gestaltet ist, dass sie auf allen Geräten (Desktop-PC, Notebook, Tablet PC, Smartphone) einwandfrei dargestellt wird, wie zum Beispiel http://themeloom.com/ , reicht nicht aus und wird von Google-mobil-Bot ignoriert oder wie?


  3. Jasper Thibaut Schrieb am

    10. Januar, 2012 @ 12:51

    @Felix
    Zu deinem Beispiel: Genau diese Seite setzt ja eine mobile Optimierung relativ komfortabel um.

    Aber ob mobil optimiert oder nicht (dazu müsste man sich die Webseite genauer anschauen) – um herauszufinden ob ich für eine Indizierung in den mobilen Index gezwungenermaßen eine für mobile Geräte optimierte Webseite benötige wäre erst einmal zu definieren, ab wann das überhaupt der Fall ist (Stichwort: mobile friendliness). Google kann lediglich Signale entgegennehmen, wie ich als Webseitenbetreiber definiert habe, wie meine Seite indexiert werden soll. Dazu zählen -in Bezug auf den mobilen Index- als wichtigste Aspekte der Einbezug des Googlebot-mobile als User-Agent (robots.txt) sowie die mobile XML Sitemap.

    Ich hab’s ja schon gesagt, prinzipiell ist weder eine .mobi TLD, noch eine mobile Subdomain oder ein mobiles Unterverzeichnis hierzu notwendig! Auf der anderen Seite bleibt jetzt erst einmal abzuwarten, wie Google die mobilen SERPs speisen wird und ob nicht doch bevorzugt eindeutig mobile URLs angezeigt werden. Schließlich bezieht sich die Änderung des Googlebot-mobile ja auch auf die korrekte SERP Darstellung von mobilen Weiterleitungen. Google selbst sagt im Prinzip folgendes dazu:

    “the new crawler may discover content specifically optimized to be browsed on smartphones as well as smartphone-specific redirects.”


  4. Felix Meyer Schrieb am

    11. Januar, 2012 @ 15:49

    Leider bin ich mit der ganzen Thematik noch nicht allzu sehr vertraut und daher frage ich mich, wie man den Googlebot-mobile als User-Agent in die robots.txt einbezieht und was der Unterschied zwischen der “normalen” und der mobilen XML Sitemap ist.


  5. Jasper Thibaut Schrieb am

    12. Januar, 2012 @ 10:02

    Hallo Felix,

    ein großer Teil deiner Fragen dürfte sich beantworten, wenn du dir ein paar meiner letzten Artikel durchliest. Schau dir dazu am besten mal folgende Texte an:

    http://www.ranking-check.de/blog/seo-sunday-mobile-seo-best-practices-inkl-checkliste/

    http://www.ranking-check.de/blog/standarddomain-vs-mobile-subdomain/

    Viel Spaß beim lesen ;-)


  6. Felix Meyer Schrieb am

    13. Januar, 2012 @ 10:14

    Vielen Dank für deine Antworten und die hilfreichen Links. Ein schönes Wochenende wünsche ich dir


  7. Marc Schrieb am

    13. Januar, 2012 @ 11:28

    Hi Jasper,

    wenn ich dich richtig verstehe, dann brauche ich die robots.txt doch gar nicht füllen, wenn ich eine mobile Sitemap für meine Domain m.xy.de generiere. Richtig? Oder muss ich in diesem Fall doch etwas in die robots.txt reinschreiben und wenn ja was genau?

    Du schreibst ja:
    “aber auch eine mobile Subdomain oder ein Unterverzeichnis mit theoretisch doppeltem Inhalt erkennt Google mittlerweile korrekt als mobile Variante. Wer ganz sicher gehen möchte, hinterlegt eine mobile Sitemap in den Webmaster Tools.”

    Danke für deine Antwort…


  8. Jasper Thibaut Schrieb am

    13. Januar, 2012 @ 13:24

    Es geht vielmehr darum, den googlebot-mobile als User Agent in der robots.txt nicht auszuschließen. Ansonsten kann die für mobile Endgeräte bestimmte Webseite nicht als solche erkannt werden. Der mobile Crawler muss also eine Möglichkeit haben auf die Seite zuzugreifen. Wenn -aus irgend einem spezifischen Grund- innerhalb der robots.txt eine User-Agent Abfrage stattfindet, dann sollte in jedem Fall überprüft werden, ob der User-Agent-Header den String “Googlebot-Mobile” enthält und in dem Fall der Zugriff gewährt werden.


  9. Felix Meyer Schrieb am

    13. Januar, 2012 @ 15:25

    Mit folgender robots.txt müsste doch dann alles passen, oder?

    User-agent: *
    Disallow: /impressum.html


  10. Marc Schrieb am

    13. Januar, 2012 @ 15:42

    Hi Jasper,

    und wie würde der String dann aussehen? Danke für dein Feedback.


  11. Jasper Thibaut Schrieb am

    13. Januar, 2012 @ 15:45

    @Felix
    Wenn das Impressum nicht indexiert werden soll.. ja ;-)

    @Marc
    laut Google soll idealierweise überprüft werden, ob der String “Googlebot-Mobile” enhalten ist. Steht übrigens alles hier: http://googlewebmastercentral-de.blogspot.com/2009/11/so-erleichtert-ihr-google-die.html ;-)


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