SEO Sunday: Aufbruchsstimmung im AppStore Ranking

geschrieben von Jasper Thibaut am » 1 Kommentar

Vor kurzem hat mich folgende nicht allzu gering frequentierte  Nachricht in den einschlägigen Tech-Blogs auf einen Gedanken gebracht. „Apple ändert den Algorithmus zur Berechnung der AppStore Charts“. Das sich im Online Marketing neben der Fokussierung auf das WWW parallele Zweige entwickeln, ist im Hinblick auf die zunehmende Verbreitung mobiler Endgeräte mehr als offensichtlich.  Neben dem mobilen Web etabliert sich die Verbreitung von nativen Apps geradezu exponentiell mit der technologischen Evolution von Smartphones. Neben einem eindeutigen Nutzfaktor spielt der Lifestyle Aspekt hierbei sicher eine der zentralen Rollen. So ist die App von der willkürlichen Abkürzung für Applikation über die durch Apple begründete Wortkomposition letztendlich zu einem technologisch begründeten Modewort avanciert, das längst für einen ganz bestimmten Typ mobiler Anwendungen steht. Die Quintessenz daraus ist, dass sich zahlreiche Anwendungen in den proprietären AppStores tummeln, die in der Masse entweder durch eine einzigartige Funktionalität, eine populäre Marke oder aber der Optimierung auf die hiesigen Suchergebenisse herausstechen.

 

Als die ersten nativen, mobilen Anwendungen (sehen wir einmal von den prä-historischen Java Anwendungen der Feature Phones ab) bereits vor 2-3 Jahren in Apples AppStore eingereicht wurden, rankte ein entscheidender Mythos um den Komplex:  Mit Apps lassen sich in kürzester Zeit, bei geringsten Preisen Millionen verdienen. Auch wenn sich zur damaligen Zeit einige Entwickler eines raschen Geldregens erfreuten, so war dafür doch vordergründig eine Tatsache verantwortlich: Die Masse an eingereichten Anwendungen war noch verhältnismäßig gering, wodurch die Einzigartigkeit und somit der finanzielle Gewinn relativ (!) schnell  zu erreichen war. Wer den frühen Trend also mitgemacht hat, scheint zum damaligen Zeitpunkt den richtigen Riecher gehabt zu haben. Heute sieht das Ganze komplett anders aus: Nicht nur steigt die Anzahl der verfügbaren Apps permanent drastisch an, auch bieten mittlerweile zahlreiche Plattformen immer häufiger ihre eigenen AppStores an, wodurch das Erreichen einer nennenswerten Marktstellung für Entwickler (genauer: für ein ganz bestimmtes Produkt) um einiges erschwert wird. Gleichermaßen kommt der Position in den hiesigen Rankings eine immer größere Bedeutung zu. Wer beispielsweise in Apples AppStore nicht unter den Top25 erscheint hat schon kaum eine Chance ohne umfangreiche PR Arbeit nicht unterzugehen. Die interne Suchfunktion nutzen dagegen nur etwa 20% aller Anwender. Umgekehrt bedeutet das natürlich, dass die Berechnung eben jener Platzierungen sehr diffizil erfolgen muss, wenn dadurch tatsächlich wahre Qualität impliziert werden soll. Und genau daran hat Apple in den letzten Wochen geschraubt.

 

Bisher hat Apple einen relativ primitiven Algorithmus zur Berechnung der Top-Listen verwendet. Diejenigen Anwendungen, die die höchste Gesamtzahl täglicher Downloads aufweisen konnten, platzierten sich demnach hierarchisch in den Top-25. Auch wenn eine gewisse Schnittmenge zwischen Qualität und Anzahl der Downloads sicher nicht von der Hand zu weisen ist, so erscheint eben jene Berechnung doch relativ einseitig und vor allem manipulierbar. So beschränkte sich die Marketing Strategie vieler Entwickler bisher auf spezifische Kampagnen bei denen vor allem so genannte „Installs“ eingekauft wurden. Mit riesigen Mengen bezahlter Installationen war es so möglich relativ zuverlässig eine App binnen weniger Wochen in die Top-Listen zu katapultieren. Eine alternative, kostengünstigere Lösung stellten so genannte In-App-Installs oder Pay-per-Installs dar, eine Form der Cross-Promotion. Hierbei locken Anbieter mit beispielsweise kostenlosen virtuellen Gütern, sofern sich der Anwender für den Download einer externen App entscheidet.  Auch wenn der Nutzer mit letzterer nichts anzufangen weiß, überzeugt die Belohnung und verhilft den teilnehmenden Apps somit zu höheren Downloadzahlen. Dieser Umstand wiederum verhalf es also Apps, die möglicherweise kaum einen nennenswerten Nutzwert oder gar ein repräsentatives Nutzerverhalten aufwiesen, in die Charts zu gelangen.

 

Doch auch Apple scheint mittlerweile erkannt zu haben, dass Content nun einmal King ist, und dürfte seinen Algorithmus (wie in der Einleitung ja behauptet) dahingehend angepasst haben. Selbstverständlich bleibt die öffentliche Bestätigung dessen durch den Konzern aus Cuppertino aus, verraten einige Ranking-Veränderungen jedoch einen eindeutigen Trend: So hat sich im AppStore beispielsweise die Facebook App nach einer durchgehend konstanten Platzierung aus den Positionen 20-25 zwischenzeitlich auf Platz #1 gemausert (siehe Abbildung) ohne das davon auszugehen ist, dass ein dermaßen hoch frequentiertes Produkt über Nacht einen solch enormen Zuwachs an Downloads verzeichnen konnte. Das dürfte folgenden Faktoren zu verdanken sein: Zum einen scheint die Top-25 neben den absoluten Downloadzahlen nun außerdem durch die Nutzergenerierten Bewertungen beeinflusst zu werden. Hier haben wir es also mit einem eindeutigen Reputations-bedingten Faktor zu tun. Da die externe Verlinkung in den AppStore (Referer) technisch zwar möglich ist, praktisch jedoch keinen Einfluss auf die Reputation einer Anwendung ausmachen dürfte (zumindest bisher nicht) scheint das Bewertungsprofil derzeit die einzige Möglichkeit zu sein, eine –irgendwie geartete- Popularität widerzuspiegeln.

Das Ranking der Facebook App in den Top 25 des Apple AppStores, mitte April

 

Zum anderen scheint die Nutzung der Applikation jetzt mit in die Bewertung zu fließen. Wie kann man sich das vorstellen? Wie die technische Realisierung dessen aussieht bleibt fraglich und dürfte eine weitere Debatte in punkto Datenschutz zumindest nicht ausschließen. Offensichtlich erscheint jedoch, dass die durchschnittliche (tägliche?) Nutzungsdauer und -frequenz durch den Anwender in irgendeiner Form mit in die Bewertung der App einfließt. Und hier wiederum spiegelt sich eindeutig der Faktor „Verweildauer“ wieder. Für den Entwickler bedeutet das, dass er den User dazu bewegen muss, seine App auch regelmäßig zu benutzen, also wiederkehrende Besuche zu generieren. Betrachtet man nun noch einmal den Sprung der Facebook App auf Platz #1, so macht das Ganze in Hinsicht ihrer Usage-Frequenz eindeutig Sinn.

Ein weiterer Aspekt der dafür spricht, dass Apple seinen Algorithmus angepasst hat ist, dass mit zunehmender Häufigkeit diejenigen Apps, die eben jene Pay-Per-Install Option per In-App Kauf anboten, die –häufig in Kritik geratene– Eingangskontrolle nicht mehr passieren. Darüber hinaus wird registrierten Entwicklern die Möglichkeit genommen, die durch Gratis-Gutschein-Downloads verbreiteten Anwendungen von den Nutzern bewerten zu lassen.  Wohlmöglich möchte Apple damit einer fortschreitenden Chart-Manipulation entgegenwirken.

 

Selbstverständlich kann Apple mit seiner Plattform iOS schon längst nicht mehr ein Alleinstellungsmerkmal ausmachen. Mindestens Googles mobiles Betriebssystem Android befindet sich hier auf einem rasanten Aufholkurs. Anzunehmen ist, dass sich der Think-Different-Konzern in Punkto Charting-Algorithmus hier stark vom Suchmaschinen-Platzhirschen inspirieren lassen hat. Verdächtige zwei Wochen zuvor hat dieser für seinen Marketstore bereits die Ranking-Algorithmen angepasst und zuzüglich zu den Downloadzahlen die Bewertungen sowie die tägliche aktive Nutzung einer Anwendung mit einfließen lassen.

 

Es ist offensichtlich, dass durch die neuen Algorithmen diejenigen Apps höher in den Charts platziert werden sollen, die einen höheren Nutzwert repräsentieren und somit eine gesteigerte Qualität aufweisen können. Analog zur Bewertung der Qualität von Webseiten-Content stellt sich letztendlich immer die Frage: wie kann so etwas automatisiert ermittelt werden? Denkbar wäre auch, dass ein durchschnittlicher Prozentsatz an täglichen Deinstallationen oder aber doch der Referer mit in die Erstellung der stündlich aktualisierten Charts fließt.

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Geschrieben von Jasper Thibaut

Jasper Thibaut ist SEO Manager bei rankingCHECK und mobile SEO Spezialist. Beruflich wie auch privat setzt er sich verstärkt mit dem mobilen Web und Disziplinen des mobile Marketings auseinander. jasper-thibaut.de

Kommentare

Ein Kommentar

Joe schrieb am 30. März, 2012 @ 00:40

Sehr interessanter Artikel. Gibt Apple eigentlich die Kriterien für seinen Algorithmus bekannt? Ich konnte nichts hierzu finden. Zählt die App Download Zahl weiterhin für das Ranking oder ist jetzt nur noch der Content und die Verweildauer entscheidend? Danke

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