SEO Sunday – Projektmanagement: Die Redaktion im Griff
geschrieben von Jakob Zogalla am » 3 KommentareEinen Besucher dauerhaft an eine Website zu binden ist in besonderem Maße eine Frage der inhaltlichen Qualität, wie immer man Qualität in diesem Zusammenhang auch definieren mag. Diese dauerhaft und regelmäßig zu garantieren erfordert allerdings eine Menge Arbeit und ist nicht zuletzt eine Frage des richtigen Managements. Eines Vorweg: das Thema Redaktion bezieht sich nicht nur auf Contentportale oder Blogs, sondern sollte in gleichem Maße auch für Shops und andere Arten von Websites angewendet werden. Die Methoden der nachhaltigen redaktionellen Optimierung sind dabei immer die gleichen. Egal ob ich eine Website mit 10.000 Produkten habe, die in die Serps aufgenommen werden sollen, oder einen Blog bei dem ich Plane drei Artikel pro Woche zu publizieren.
Gute Planung ist ein Erfolgsfaktor!
Jede Art von Management erfordert Planung. Da ich mich so gern in Wikipedianisch ausdrücke:
“Planung ist als menschliche Fähigkeit die gedankliche Vorwegnahme von Handlungsschritten, die zur Erreichung eines Zieles notwendig scheinen. Dabei entsteht ein Plan, gemeinhin als eine zeitlich geordnete Menge von Daten.”
In diesem Satz ist eigentlich schon alles enthalten was wir benötigen um unsere Redaktion nachhaltig in den Griff zu bekommen:
- Ziele
- Daten, und zwar eine Menge
- Handlungsschritte die erforderlich sind unsere Ziele zu erreichen
Zieldefinition
Die Definition von Zielen ist kein leichtes Unterfangen, allerdings gibt es einen einfachen Tipp dazu, den ich jedem mit auf den Weg gebe, der mich danach fragt: Ein Ziel sollte klar definiert sein. “Mehr Umsatz” oder “mehr Nutzer” sind keine erreichbaren Ziele. Versucht es mit: “Ich möchte im Tagesdurchschnitt 200 Leser auf meinem Blog haben” oder “ich möchte die Umsätze meines Onlineshops durch redaktionelle Maßnahmen um 10% steigern”. Wichtig ist, dass die Sache greifbar ist. Eine Aussage wie “mehr Umsatz” führt zwangsläufig zu Konflikten mit dem Management, schlechtem Arbeitsklima und einer Überpriorisierung nutzloser Maßnahmen. Egal wie Euer Ziel lautet: Sorgt für eine klare Formulierung und fragt notfalls unbeteiligte ob Sie die Zieldefinition für klar halten.
Datenerhebung
An einer Website kann man sich tot analysieren. Wir reden hier von Redaktion, also beschränken wir uns auf diejenigen Daten die erforderlich sind um unsere Ziele zu erreichen. Welche Faktoren führen dazu, dass einige Bestandteile unserer Website besser im Ranking vertreten sind als andere? Welche Dinge machen wir grundsätzlich falsch (Textlänge, Keyword-Density, technische Hindernisse, etc.)? Wir notieren alle Punkte die wir künftig besser machen wollen auf einer Liste. Wichtig daran ist, dass die einzelnen Punkte mit einer Zuständigkeit versehen werden. Punkte die nicht mit der Redaktion in Zusammenhang stehen werden erstmal vernachlässigt und an jemanden weitergereicht der sie beheben kann (z.B. die Softwareentwicklung). Häufig ist allerdings der Fall anzutreffen, dass viele Grundlagen der Suchmaschinenoptimierung bereits berücksichtigt wurden, weshalb diese in der Datenerfassung zunächst vernachlässigbar sind.
Definition der Handlungsschritte
Aus unserer Liste der Erfolgsfaktoren, lassen sich nun Handlungsschritte ableiten. Hat sich in unserer Datenerhebung beispielsweise herausgestellt, dass Inhalte mit einer guten Density, bestimmten Tags oder einer gewissen Textlänge besonders gut im Ranking vertreten sind, nehmen wir diese Punkte in unsere Handlungsschritte auf:
- Tags aller Beiträge überprüfen
- Textlänge aller Beiträge angleichen
- Density aller Beiträge optimieren
Klingt aufwändig? Ist es auch! Allerdings wird so ein Großteil der Altlasten beseitigt. Es gibt Fälle in denen die Nachoptimierung schon aufgrund der schieren Masse von Produkten oder Beiträgen nicht gut funktioniert. Hier besteht der Weg zum Erfolg darin iterativ vorzugehen. Dazu kommen wir gleich.
Jede Website braucht einen Redaktionsplan
Ich bin sicher, dass mir bei dieser These einige Leute widersprechen werden. Ich halte dennoch daran fest: Egal ob die Seite weitestgehend statisch ist, es sich um einen Blog oder einen Webshop mit 10.000 und mehr Artikeln handelt. Ein einfacher Redaktionsplan, an den sich alle beteiligten halten, wirkt wahre Ranking-Wunder und beugt Schreibblockaden vor. Allein dessen Existenz in Zusammenhang mit einer konsequenten Durchsetzung (ich sage bewusst Durchsetzung statt Umsetzung) verbessert dauerhaft die Qualität der Website. Sind die redaktionellen Ressourcen in Form von Manpower begrenzt sollte ein guter Mittelweg zwischen neuen Beiträgen und der Optimierung alter Beiträge gefunden werden. Ist die Liste älterer Beiträge sehr groß kann es sogar lohnenswert sein die hälfte der zur Verfügung stehenden redaktionellen Ressourcen auf die Optimierung der Altlasten anzusetzen. Der Redaktionsplan zeichnet sich idealerweise durch folgende Merkmale aus:
- Er hat einen Vorlauf von mindestens 30 Tagen
- Er hat klar geregelte Zuständigkeiten (wer ist für die Erstellung oder Optimierung zuständig)
- Er enthält ein Abgabedatum für jeden Beitrag, welches idealerweise vor dem Veröffentlichungsdatum liegt
Darüber hinaus bietet es sich an mehrere Sichten auf diesen Plan zu haben. Hierzu zählt zunächst der globale Überblick. Diese Liste kann schnell recht unübersichtlich, weil lang werden.
Die zweite Sicht ist Mitarbeiterspezifisch. Letzteres macht natürlich nur sinn, wenn mehr als ein Redakteur beteiligt ist, dann aber entfaltet die zweite Liste Ihre Wirkung, weil der jeweilige Redakteur sich nicht gedanklich mit den Aufgaben der anderen herumschlagen muss. Das ganze zielt im übertragenden Sinne darauf ab einen ordentlichen Schreibtisch zu haben und sich nicht mit Dingen zu befassen, die für die eigene Aufgabenstellung irrelevant sind. Ein psychologisch sinnvoller Trick in diesem Zusammenhang besteht übrigens darin, in der Sicht der Mitarbeiter das geplante Veröffentlichungsdatum zu verbergen.
Weitere hilfreiche Tipps
Definition eines Workflows
Auch in der Redaktion ist die Definition von Workflows ein überaus hilfreiches Mittel zur Sicherstellung eines bestimmten Qualitätsstandards. Dabei spielt es nur eine untergeordnete Rolle in welchem redaktionellen Segment wir uns bewegen. Soll eine bestimmte redaktionelle Qualität gewahrt werden, muss jederzeit für alle beteiligten nachvollziehbar sein, welche Anforderungen überhaupt gelten. Ein einfacher redaktioneller Workflow könnte beispielsweise so aussehen:
- Themenfindung
- Festlegung der zur berücksichtigenden Keywords
- Überprüfung der Suchvolumina und der Konkurrenzsituation dieser Keywords
- Anpassung der Keyword Liste
- Analyse des Archivs nach ergänzenden und in diesem Zusammenhang verlinkenswerten Informationen
- Verfassen des Artikels zum Vorgegebenen Thema mit einer Mindestlänge von X
- Überprüfung der Density
- Überprüfung der internen Verlinkung
- Veröffentlichung
Der Workflow kann beliebig angepasst werden. Wichtig ist nur, dass er existiert und für alle beteiligten nachvollziehbar ist. Eine gelegentliche Überprüfung und Anpassung führt dabei zu einer stetigen Optimierung des Prozesses und sollte regelmäßig mit besonderem Fokus auf die entbürokratisierung erfolgen.
Vorbereitung der Beiträge
Es bietet sich an bereits während der Planungsphase bestimmte Punkte der redaktionellen Arbeit zu erledigen. Verlinkenswerte Beiträge des eigenen Archivs können beispielsweise schon nach der Festlegung eines Themas recherchiert werden. Gleiches gilt für die Keywords. Werden die Themen nicht von den Autoren selbst festgelegt, ist es extrem hilfreich diesen bereits ein paar Stichpunkte mit auf den Weg zu geben um das Thema besser zu definieren. Insbesondere der letzte Punkt sorgt für eine extreme Beschleunigung des Outputs.
Iterative Vorgesehensweise
Enthält der Redaktionsplan viele alte Inhalte die optimiert werden sollen, bietet sich ein iteratives Vorgehen an. Bei diesem werden die Optimierungsschritte kategorisiert und priorisiert. Nach welchen Kriterien dabei vorgegangen wird ist zweitrangig. Wenn man sich mit diesem Thema beschäftigt sollte man allerdings zumindest kurz darüber nachdenken. Hier ein paar Anregungen:
- Optimiere alle Beiträge die an der Sichtbarkeitsschwelle der Serps (z.B. im oberen drittel von Seite 2) stehen von vorne bis hinten durch
- Optimiere erst die Keyword-Density aller Beiträge, dann die Textlänge aller Beiträge usw.
- Optimiere das Aussichtsreichste Kriterium der wichtigsten Umsatzträger
- usw.
Fazit
Wer gute Suchmaschinenrankings erreichen möchte, kommt nicht umhin seine Redaktion im Griff zu behalten. Insbesondere in größeren Projekten kann dies schnell ein recht aufwändiger Prozess werden. Ich habe im vorliegenden Beitrag versucht einige einfache Punkte zu nennen die dazu gedacht sind dauerhaft und nachhaltig für einen Qualitätsstandard zu sorgen. Jetzt seid ihr am Zug: Wie haltet Ihr Eure Redaktion im Griff?
3 Kommentare
Viktor schrieb am 27. Februar, 2012 @ 16:18
Und jetzt noch die besten Tools dazu bitte!
Jakob Zogalla schrieb am 27. Februar, 2012 @ 17:31
@Viktor
Seo Maßnahmen werden im Bereich Redaktion Toolingtechnisch kaum unterstützt. Das Thema wird ja selbst auf Projektmanagementseite schon sträflich vernachlässigt…
Viktor schrieb am 27. Februar, 2012 @ 17:37
hmm, schade! Danke trotzdem für die Schritte!