SEO Sunday – Googles Großoffensive gegen Spam

geschrieben von Ben Garboniak am » 8 Kommentare

Batman - Pinguin Diese Woche war mal wieder richtig was los in der SEO Szene. Am Mittwoch rollte Google weltweit das seit mehren Wochen angekündigte Pinguin Update gegen Überoptimierung von Webseiten aus. Dieses Update beeinflusste zwar “nur” ca. 3% der Suchergebnisse, schlug dabei aber ziemlich hohe Wellen, da es vor allem trafficstarke Keywords mit hohem Suchvolumen betraf und entsprechende Reaktionen bei SEOs und Webmastern hervorrief.

Googles Qualitäts-Offensive

Nicht erst seit Mittwoch legt Google einen Zahn zur Bekämpfung von minderwertigen Webseiten und Manipulationsversuchen von Webseitenbetreibern zu. Das erste Panda-Algorithmus-Update vor einigen Monaten beeinflusste damals bereits schon ca. 6-9%% der Serps. Hier traf es besonders Artikelverzeichnisse, Contentaggregatoren und Personensuchmaschinen, also vor allem Content-Farmen und Seiten ohne Mehrwert für den User.

Beim Pinguin-Update hingegen geht es laut eigenen Aussagen von Matt Cutts (Head of Spam bei Google) um Webseiten, die harte Achortexte, eine zu hohen Keyworddichte und automatisierten Content aufweisen. Einfach gesagt:

  • Panda-Update = Low Quality Content
  • Pinguin-Update = Spam Sites

Wie dem auch sei, Google zieht die Qualitätsschraube an, was am Ende vor allem den Nutzer freuen dürfte.

Cleverer Schachzug macht Verwirrung perfekt

Bereits einige Tage vor dem Pinguin-Update lies man zusätzlich das Panda Update 3.5 auf die Meute los, welches eigentlich niemand so recht auf dem Schirm hatte. Entsprechend hoch war die Verwirrung in der Szene und die ersten Auswertungen von Searchmetrics mussten von Matt Cutts etwas zurecht gerückt werden:

“There’s a pretty big flaw with this “winner/loser” data. Searchmetrics says that they’re comparing by looking at rankings from a week ago. We rolled out a Panda data refresh several days ago. Because of the one week window, the Searchmetrics data include not only drops because of the webspam algorithm update but also Panda-related drops. In fact, when our engineers looked at Searchmetrics’ list of 50 sites that dropped, we only saw 2-3 sites that were affected in any way by the webspam algorithm update. I wouldn’t take the Searchmetrics list as indicative of the sites that were affected by the webspam algorithm update.”

Die aktualisierte Datenauswertung des Pinguin-Updates wurde dann auch schnell von Seachmetrics nachgeliefert.

Meiner Meinung nach waren die kurzen Abstände der Updates kein Zufall, sondern von Google strategisch clever berücksichtigt. Während man bei einzelnen Algorithmus-Änderungen meist noch konkrete Rückschlüsse ziehen und entsprechend reagieren konnte, war die letzte Woche so etwas wie eine Groß-Offensive und ein Rundumschlag gegen nutzerunfreundliche Webseiten.

Die Verunsicherung wurde weiter geschürt, indem man vor ein paar Wochen Webseitenbetreibern über die Webmaster Tools “blaue Briefe” verschickte. Potentielle Linkkäufer wurden benachrichtigt und informiert, dass diese enttarnt wurden und gebeten entsprechende Gegenmaßnahmen vorzunehmen, um anschließend einen Antrag auf erneute Überprüfung einzureichen.

Google blieb gewohnt vage, so dass es an den Webmastern lag, wie sie reagieren sollten. Partner-Linknetzwerke “verpetzen”, Paid-Links abbauen und Neuantrag stellen (was so ziemlich das selbe bedeutet), oder Abwarten und Tee trinken, die Entscheidung wurde letztendlich dem Webseitenbetreiber überlassen. Entsprechende Verunsicherung ging anschließend durch die Blogs.

Über welche Qualitätsmaßnahmen man nun bei Google konkret gestolpert ist (wenn man denn nun abgestraft wurde), lässt sich somit wohl nicht mehr genau rekonstruieren, so dass man gezwungen ist, an allen Qualitätsfaktoren zu schrauben. Googles Taktik ist hier also voll aufgegangen, besser hätte man es nicht forcieren können.

Kollateralschäden sorgen für Frust

Schaut man sich allerdings die Auswertungen von Searchmetrics und Sistrix zum Pinguin-Update an, so weisen die meisten Verlierer ein eher unnatürliches Backlinkprofil auf und scheinen nachvollziehbar. So eindeutig wie hier waren die Gründe bei anderen Verlierern aber dennoch nicht zu erkennen.

Es gab zum Teil heftige Reaktionen in einschlägigen Foren und Blogs (wobei man hier immer vorsichtig sein und genau hinschauen sollte). Marcel hatte am Donnerstag einen sehr schönen Artikel zu diesem Thema gepostet und teilweise nicht nachvollziehbare Rankingveränderungen bei zwei seiner Affiliate-Projekte dokumentiert. Letztendlich muss man hier wohl einfach noch abwarten. Google hat zwar diesmal recht schnell bestätigt, dass das Update vollständig ausgefahren wurde, aber es werden mit Sicherheit noch einige Korrekturen stattfinden und manches zurechtgerückt.

Wer seine Webseite zu Unrecht vom Pinguin-Update getroffen sieht, hat zumindest hier die Möglichkeit, einen Antrag an Google zur manuellen Überprüfung zu stellen.

Fazit

Google hat mal wieder richtig zugelangt und das nicht zu knapp. “Weniger Optimierung für Suchmaschinen, mehr Optimierung für den Nutzer” lautet der Tenor und auch zukünftig wird Google es sich nicht nehmen lassen, härter durchzugreifen. Letztendlich ist das alles aber nichts Neues, der Unterschied zu früheren Aussagen ist im Grunde der, dass nun auch konkrete Maßnahmen folgen und die uns dann doch allen zu Gute kommt. Ehrliches SEO Arbeit wird zunehmend honoriert und gewiefte Black-Hat-SEOs erst richtig gefordert. Viel Spaß beim optimieren, oder auch nicht! ;-)

5 / 5 (1 votes)

Geschrieben von Ben Garboniak

Ben Garboniak ist Online Marketing Manager bei rankingCHECK und schreibt über Themen rund um die Suchmaschinenoptimierung und Social Media Marketing.

Kommentare

8 Kommentare

ludwig coenen schrieb am 29. April, 2012 @ 21:20

Was ein Kuddelmuddel!

Wow, dass mit dem Statement von Matt war mir durch die Lappen gegangen – schöner Roundup!

tim schrieb am 30. April, 2012 @ 13:03

Da hab ich ja Glück gehabt! Ich bin ein braver Seo. ;) Daher habe ich von dem Update bisher nur provitiert. Ehrlichkeit zahlt sich eben doch aus! :)

uwe schrieb am 30. April, 2012 @ 14:41

Ich muss ehrlich sagen ich bin auch etwas enttäuscht über das Verhalten von Google. Klar Updates und Upgrades sind wichtig und sinnvoll, aber was da teilweise für Seiten abgestraft wurden und wie teilweise die SERPs ausschauen ist schon peinlich.

Chris schrieb am 1. Mai, 2012 @ 16:07

Ich schließe mich UWE an, was da bei Google zur Zeit abläuft, welche Seiten teilweise abgestraft werden ist einfach unglaublich.

Ralf schrieb am 6. Mai, 2012 @ 08:37

Da ich Artikelverzeichnisse so weit wie möglich meide und mehr auf Blogkontent setze. Werde wohl in Zukunft das Optimieren auf ein bestimmtes Keyword etwas einschränken und mehrere Keywörter aufbauen. Onpage wie Offpage.

Florian schrieb am 6. Mai, 2012 @ 12:13

Für Frust sorgt nicht nur, dass hochwertige Seiten abgeschossen wurden, sondern dass an ihrer Stelle Seiten mit chinesischen Spamlinks in den Top 3 ranken. Und Spamreports abzuschicken bringt doch sowieso nichts. Weder bei Missbrauch von Rich Snippets, noch bei Black Hat Linkbuilding.

Jan Formann schrieb am 11. Mai, 2012 @ 12:27

Finde ich gut.

Trackbacks

Hinterlasse eine Antwort

Liebe Linkbuilder: Wir verstehen, dass man Links aufbauen muss. Verschwendet eure Zeit aber bitte nicht mit Kommentarspam. In unserem Blog findet ihr zahlreiche Artikel mit Alternativen.

Loading Facebook Comments ...