Zukunft der Suche: Facebook statt Google?
Zukunft der Suche: Facebook statt Google?Letzte Woche haben Johannes von SISTRIX und Gretus von SEO-United jeweils sehr interessante Artikel über die mögliche zukünftige Entwicklung von Offpage-Rankingkriterien bzw. des Linkgraphs gepostet. Bevor ich aber auf die Headline eingehe noch kurz ein paar zusammenfassende Worte und Anmerkungen zu den Artikeln und auch zu den teilweise sehr guten Kommentaren.
Es ging darum ob alles so bleibt wie es ist (Stichwort Linkgraph), ob der Semantik bzw. der latent semantischen Optimierung endlich mal der Durchbruch gelingt, oder die sozialen Netzwerke (Stichwort Socialgraph bzw. Personalgraph) mehr Ranking-Relevanz bekommen. Während dem Thema Semantik in den nächsten Jahren nicht der schon häufig angekündigte Durchbruch prophezeit wird, herrscht im Wesentlichen Einigkeit auch darüber, dass man den Socialgraph zumindest genauer im Auge behalten sollte. Bestes Beispiel dafür ist der vor einigen Wochen eingeführte Like-Button von Facebook bei dem es wie bei einem Link darum geht, spezielle Inhalte weiterzuempfehlen.
Ich bin mir wie in diesen Kommentaren auch ziemlich sicher, dass der Socialgraph in Zukunft als Rankingkriterium für Suchmaschinen mit einbezogen werden sollte, allerdings nicht mit einer sonderlich hohen Gewichtung. Einigen Suchbegriffen bzw. Themengebieten gegenüber wäre dies mit Sicherheit unfair, da diese im Social Media Bereich überhaupt nicht erwähnt werden. Hinzu kommt auch, dass Social Media in den USA bspw. viel besser funktioniert als hierzulande.
Das nächste und meiner Meinung nach schlagkräftigste Argument gegen eine zu starke Gewichtung des Socialgraphs liegt in der extrem leichten Manipulierbarkeit. Beschweren sich schon viele Internetuser darüber, dass so mancher Link wohl manipuliert sein könnte, so sieht dies im Social Media Bereich nicht anders aus. So soll zwar mittlerweile der Anteil an Twitter-Spam auf ca. ein Prozent zurückgegangen sein, allerdings kann man in Social Web wesentlich leichter spammen als dies mittlerweile im Linkbereich noch möglich ist bzw. in Zukunft möglich sein wird. Also: Der Socialgraph wir nur eins von vielen Rankingkriterien sein, Links sind und bleiben erst einmal das wichtigste Rankingkriterium für Suchmaschinen, zumindest in den nächsten 3-5 Jahren!
So genug zusammengefasst und kommentiert, jetzt zu meiner Headline. Ich will in diesem Artikel in erster Linie versuchen darauf aufmerksam zu machen, dass sich zukünftig nicht nur die Gewichtung einzelner Rankingkriterien innerhalb von Suchmaschinen verschieben kann. Ebenso gut können sich viel tiefergreifende Dinge ändern, nämlich das gesamte Verhalten von Internetusern bei der Suche nach bestimmten Begriffen. So kann es meiner Ansicht nach in den nächsten Jahren dazu kommen, dass eben nicht mehr nur noch auf Google gesucht wird. Allerdings werden die anderen Suchmaschinen keineswegs eine Bedrohung für den Marktführer darstellen. Ich sehe Facebook ganz klar als einziges Unternehmen, das Google in den nächsten Jahren im Thema Suche gefährlich werden könnte. Wenn man sich mal überlegt mit welcher Geschwindigkeit Facebook wächst und wie viel Zeit die Leute dort verbringen, so würde es mich nicht wundern, wenn dort bald auch ein großer Teil der Internetsuche stattfindet. Denn worauf vertraut man eher, auf Meinungen von Freunden und Bekannten, oder auf automatisch generierte Ergebnislisten? Das wird sich zeigen. Sollte Facebook zudem noch eine Suche integrieren, die es mit der Qualität von Google aufnehmen kann, werden viele User gar nicht mehr das Bedürfnis haben Ihre kostbare Zeit auf anderen Websites zu verbringen.
Wünschenswert wäre Wettbewerb für Google in jedem Falle, da Konkurrenz ja für gewöhnlich belebend wirkt. Naja vielleicht habe ich ein wenig weit ausgeholt, aber denkbar wäre ein solches Szenario doch, oder?


fiacyberz Schrieb,
24. Juni, 2010 @ 9:45
Das Problem mit der Suche bei Facebook wäre dann, dass wir dies nicht beeinflussen können.
Klar kann man stapelweise Accounts erstellen und die eigenen Kunden damit loben. Aber man müsste ja auch Freund von jedem sein und das wird problematisch.
Sollte aber kein Problem werden, denn die wenigen Prozente die dies ausmachen sollte spielen keine Rolle. Die wenigstens Unternehmen sind zur Zeit bei Facebook wirklich aktiv und wenn sich erstmal alle darauf stürzen wird es den Usern sehr schnell zu blöd und keinem “gefällt” mehr Unternehmen XY.
Marcel Becker Schrieb,
24. Juni, 2010 @ 10:05
Also beeinflussen kann man irgendwie immer alles
Aber du hast Recht, das wird schon sehr schwierig, da man gefakte Accounts immer direkt erkennt, es sei denn es steckt sehr viel Mühe dahinter. Wenn Facebook allerdings einfach eine externe Suchmaschine integrieren sollte bleibt ohnehin alles beim alten im Bezug auf die Rankingkriterien.
Markus Bauer Schrieb,
24. Juni, 2010 @ 10:09
Dass die Suche sich allgemein – und unabhängig davon, wie sich der Social Graph als Rankingfaktor entwickelt – stärker in Richtung Facebook verlagern könnte, finde ich einen interessanten Zusatzaspekt (gegenüber den oben zitierten Posts bzw. Kommentaren). Dazu passt das folgende aktuelle Posting: http://www.allfacebook.com/2010/06/facebook-tests-show-seo-may-be-possible-with-open-graph/
Florian Narr Schrieb,
24. Juni, 2010 @ 12:15
Ich bin da jetzt mal ganz Blauäugig und prognostiziere ein aussterben von Facebook voraus!
Facebook wurde schon vor einiger Zeit von den werbetreibenden Firmen als idiale Zielgruppen sortierte Platform erkannt! Wer sich noch an MySpace erinner kann, da gab es auch diverse Bots die alles automatisierten und es als Werbeplatform für jeden frei zur verfügung stand.
Sascha Schau Schrieb,
24. Juni, 2010 @ 22:34
Hi Florian,
ich habe auf der Internet-World gestern das Statement von United-Internet-Media-Vorstand Herrn Ehrlich zu facebook gelesen: “Facebook wird maßlos überschätzt” Es ist schon richtig, dass man facebook als eine unter mehreren Internet-Marketingmaßnahmen verstehen sollte. Ich kenne da so einige, die nur eine facebook-Fanpage und keine eigene Homepage besitzen – wie damals mit MySpace.
Aber facebook rate ich immer noch als Social-Media Offensive zu nutzen. Auch wenn die Nutzerschaft in Deutschland durch die Datenschutz-Affairen zurückzugehen scheinen oder wieder zu StudiVZ zu wechseln, so ist die Erwartung der Internet-User an ein Unternehmen, die Marke als facebook-Fanseite zu finden, sehr hoch. Auch international betrachtet ist facbook weit vorne.
fiacyberz Schrieb,
25. Juni, 2010 @ 11:55
Möchte zum Thema nochmal diesen Link dazu geben.
Man beachte Kommentar 2, das ist eine sehr gute Idee
http://blog.hamburg.de/2010/06/22/wieso-wir-den-facebook-like-button-wieder-entfernten/
Sascha Schau Schrieb,
30. Juni, 2010 @ 22:04
Ich finde es “interessant”, wie sich Unternehmen aus den USA von innovativen Trendsettern zu “Marktforschern” entwickeln.