Seo Sunday – Über das Mindesthaltbarkeitsdatum von Links

Seo Sunday – Über das Mindesthaltbarkeitsdatum von Links

Links sind auch in Zeiten personalisierter Suchen immer noch ein wichtiges Ranking-Kriterium. Für langfristige Toppositionen stellen sie sogar das wichtigste Kriterium dar. Das Interessante daran: Links haben ein Haltbarkeitsdatum. Dieses definiert sich nicht primär durch die Algorithmen von Suchmaschinen, sondern durch die auflebende Struktur des Echtzeitnetzes.

Breiten- und Höhenunterschiede

Zum wesentlichen Verständnis dieses Beitrags sind zunächst einige Begriffsdefinitionen vonnöten:

  • Die Breite definiert hier das Wachsen eines Themenspektrums durch das strukturierte Hinzufügen von Informationen. Üblicherweise geschieht dies durch Kategorisierung, z.B. in Form von Menüpunkten.
  • Die Höhe definiert das Wachsen eines Themenspektrums durch das Hinzufügen von Informationen in zeitlicher Abfolge. Dies ist besonders häufig bei Blogs der Fall.
  • Eine verlinkende Informationseinheit definiert einen Seitenbestandteil, der auf eine andere Website verlinkt. Im klassischen Sinne handelt es sich dabei um die Einzelseite einer Webpräsenz. In Zeiten von SocialMedia kann es sich bei einer verlinkenden Informationseinheit aber ebenso um ein SocialBookmark handeln, das neben vielen anderen Bookmarks auf einer Seite dargestellt wird. Analog hierzu werden auch Blogbeiträge betrachtet.

Die klassische Struktur des Netzes

Das Netz in seiner Ursprungsform ist eine sich nur sehr langsam verändernde Textsammlung. Die Aktualität der Daten spielt kaum eine Rolle und Inhalte wachsen eher in die Breite. Dies führt zu einer konstanten Wertigkeit eines Links, denn die Ausgangsbedingungen für die verlinkende Informationseinheit ändern sich nicht. Ein hochwertiger Link bleibt also weiterhin hochwertig.

Die neue Struktur des Netzes

Das Netz in seiner heutigen Form neigt eher dazu Informationen eine massiv verkürzte Halbwertzeit zu verleihen. Dies ist unter anderem der Struktur von Blogs geschuldet, aber auch dem Echtzeitweb mit SocialBookmarks, Blogs und SocialNetworks jeder Form. Das Timeline-Prinzip, das in Twitter und Friendfeed seine konsequente Fortsetzung findet, lässt Inhalte relativ schnell verschwinden.

In Wikipedia heißt es: “Die Information verliert, sobald sie informiert hat, ihre Qualität als Information”.

Im heutigen Echtzeitweb gilt etwas anderes: Die Information verliert, sobald sie aus der Timeline verschwunden ist, ihre Qualität als Information. Und damit reduziert sich auch die Qualität der verlinkenden Informationseinheiten. Die Links unterliegen also einem ständigen Wertigkeitsverlust durch ein Seitenwachstum in die Höhe.

Beispiel Blogs

Nehmen wir an, die Startseite eines Blogs hat einen PageRank von 6, Seite 2 einen PagRank von 5, Seite 3 einen PageRank von 4, usw. Nehmen wir weiterhin an,  das Blog publiziert jeden Tag einen Beitrag. Dann wandert unsere verlinkende Informationseinheit (in diesem Fall der Blogbeitrag) jeden Tag ein kleines Stück nach unten. Alle zehn Tage sinkt der PageRank des Beitrages um 1, bis er irgendwann 0 erreicht.

Diesem Mechanismus wird noch eine Zeit lang dadurch entgegengewirkt, dass insbesondere zu Beginn der Lebenszeit eines Blogbeitrages viele fremde Seiten auf diesen Beitrag verlinken (wenn er gut ist).  Aber auch diese verlinkenden Informationseinheiten  verlieren jeden Tag an Wertigkeit, falls sie dem Timeline Prinzip folgen. Die Wertigkeit eines Links aus einem Blog zum Zeitpunkt X lässt sich also wie folgt berechnen:

Ausgangswertigkeit – [(Publikationsgeschwindigkeit /maximale Anzahl der Beiträge in der Timeline) * Tage] + Korrekturfaktor durch eingehende Links externer Quellen

Das gleiche Prinzip lässt sich auch auf SocialBookmarks anwenden. Nur, dass hier als Zeitfaktor wohl eher Minuten oder Stunden als Tage in Betracht kommen und der Korrekturfaktor nur dann vorhanden ist, wenn auch weitere Personen die gleiche Seite für beachtenswert halten. Deshalb sollten Bookmarks auch mit Bedacht gesetzt werden, denn eine Einordnung in Kategorien, die nicht durch hochwertige Links untermauert sind, bringt nichts.

Zusammenfassung

Die strukturelle Veränderung des Netzes hat massive Folgen für die Auffindbarkeit von Inhalten. Links verlieren jeden Tag ein wenig an Gewicht, wodurch Inhalte teilweise sehr schnell abgewertet werden. Deshalb sind ein stetiger Linkaufbau und eine gute interne Verlinkung mitlerweile unerlässlich.

Google selbst versucht derzeit einen Spagat zwischen Aktualität und Hochwertigkeit der gelieferten Suchergebnisse. Blogbeiträge werden aufgrund ihrer Aktualität häufig kurzzeitig in die Top-Ten katapultiert. Gleichzeitig versucht man sich an der Personalisierung der Suchergebnisse, um dafür Sorge zu tragen, dass das Timeline Prinzip nicht die Qualität der Suche durch “verschollene” Inhalte gefährdet. Dadurch wird der Link als Ranking-Faktor weiter abgewertet. Bleibt die Frage offen, ob dies wünschenswert sein kann. Denn das Social-Kontext-basierte Finden von Informationen schmälert den Horizont des Suchenden.

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5 Kommentare »

  1. Gerd Schrieb,

    7. Dezember, 2009 @ 12:48


    Beim ersten Lesen habe ich gedacht: Recht hast du. Nachdem ich aber einige zeit darüber nachgedacht habe, bin ich mir da nicht mehr so sicher. Natürlich fallen ältere Links aus dem Bewussseinsfenster der Leute raus, wenn sie langsam von der Startseite verschwinden und “nach hinten” wandern. Das war aber auch im alten Web 1.0 schon so und hat auf den Google-Wert eines Links nur geringen Einfluss. Es sei denn, Google würde irgendwann ältere Seiten nicht mehr indizieren oder bewerten. Bisher bleibt der Longtail aber erhalten und wird täglich wertvoller.

    Die kurze Überlebensdauer eines Links auf der PR-6-Startseite würde ich als stistischen Ausreißer in der Berechnung sowieso unberücksichtigt lassen.


  2. Jakob Zogalla Schrieb,

    7. Dezember, 2009 @ 14:44


    Das Bewusstseinsfenster der Leute ist hier nicht entscheidend. Ausschlaggebend ist, dass durch die stetige veränderung der Menühierarchie die Wertigkeit der verlinkenden Informationseinheiten sinkt. Auch bei längerem Nachdenken. Im Web 1.0 mag das auch schon so gewesen sein, allerdings nicht in diesem rasenden Tempo. Während also der Faktor früher vernachlässigbar war, sollte er heute mehr in das Bewusstsein von SEOs und Seitenbetreibern gerückt werden.


  3. Marcel Becker Schrieb,

    7. Dezember, 2009 @ 15:15


    Ich deke man muss durch Tags, geschickte interne Verlinkung etc. dafür sorgen, dass der Content, von dem die Links ausgehen, für Google innerhalb weniger Klicks erreichbar ist. Sollte der Content, von dem der Link rausgeht themenrelevant sein, dürfte der Wert auch nach langer Zeit noch sehr wertvoll sein, evtl. sogar in seinem Wert steigen.


  4. Gerd Schrieb,

    7. Dezember, 2009 @ 16:37


    Jakob, ich kann deiner Theorie leider überhaupt nicht folgen, denn ich kann den zeitlichen Faktor, den du konstruierst, nicht erkennen. Es gibt im klassischen Web genauso wie im Web 2.0 ein HTML-Dokument, in dem ein Link steht. Dieses HTML-Dokument hat einen $Pagerank, der dem Link einen Wert gibt. Und mehr nicht.

    Einen zeitlichen Verlauf gibt es nur im Aufmerksamkeitsbereich eines menschlichen Beobachters. Dort nimmt die Aufmerksamkeit im Laufe der Zeit ab. Das gilt aber nicht für einen Bot und seinen Algorithmus.

    Die Publikationsgeschwindigkeit ist sicher im Web 2.0 höher als im klassichen Web. Das hat aber nur Auswirkungen auf die Gesamtzahl der HTML-Seiten, nicht aber auf eine einzelne Seite.


  5. Seo Unfug – ein paar Reviews « Internet-Marketing Blog – News zu AdWords, SEO und Webanalyse Schrieb,

    3. Februar, 2010 @ 17:05


    [...] Diensten. Zuletzt war es diese unsägliche Seite. Abgesehen davon, dass die Lebensdauer von SocialBookmarks recht beschränkt ist, brauche ich nicht die 824 Liste von der der Autor behauptet er hätte sie geschrieben und alle [...]


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